Man könnte es kurz machen: Richard Koechli singt Englisch, Französisch und Schwyzerdütsch, er spielt und picked E-Gitarre, akustische Gitarre, slidet die Resogitarre und die Songs auf der CD variieren vom Country Blues zum Chicago Blues bis hin zu Folk, Soul und R&B. Und Alles zusammen auf feinste und phantastischste Weise. Damit wäre das neue hervorragende schweizer Album beschrieben. Aber ganz so einfach machen wir es uns nicht.

Das Album „Parcours“ ist gerade erschienen und die Releaseparty findet am 29.4.18 statt. Es kommt im Plastikcover mit einem ausführlichen Booklet, in welchem z.B. die 16 Songs außer “ You can’t judge a book by looking at the cover“ nachzulesen sind. Die Texte sind wie oben erwähnt in Englisch, Französisch und auf Schwyzerdütsch samt einer Übersetzung in einer der anderen Sprachen. Es ist reichlich Bildmaterial mit dabei, weil die Band und die Gastmusiker doch sehr umfangreich waren und gewürdigt werden sollen. „Parcours“ ist ein sportlich-musikalische Pfad durch brilliant in Szene gesetzte Stile und Spielarten des Blues. Stilmäßig brilliert Richard Koechli nämlich in allen Genres, die sich um der Blues herum gruppieren. Jeder Stil wird autentisch gespielt und Richard Koechli ist ein brillianter Gitarrenspieler und gerade auf diesem Album auch ein einfühlsamer Sänger. Gerade der Kunstgriff, die intimsten Texte auf Schwyzerdütsch zu singen, erhöht die Intensität. „Merci“ ist so ein Song, in welchem Richard Koechli seinen Lehrerinnen und Lehrern ein tiefes Danke ausspricht, da sie es waren, die den faulen Träumer das Denken, Schreiben, Singen und Frei sein nahegebracht haben. Eine gleiche Intensität hat „Of em gliche Grond schtah“. Mit leisen und jazzigen Tönen erzählt Richard Koechli die Geschichte der Rückkehr des rastlosen Sohns in die Arme der Eltern, wo er keine Show machen muss, sondern durch die Türe geht und auf Augenhöhe mit Mutter und Vater steht. Aber Koechli kann auch rockig. Gleich die erste Nummer „New Orleans“ bringt Rhythmus, Orgelsound, Slidegitarre und Koechlis wandelbare Stimme – hier eben bluesig bis rauh, um vom Unwetterschicksal namens Katrina und dem unbeugsamen Geist, Vibration und Groove von New Orleans zu erzählen. „WingDing Shuffle“ ist eher den Gitarrenheroen Elmore James gewidmet. „Dust my broom“ ist halt eines der bekanntesten Riffs des Blues. Nichts kann so deprimierend sein, dass einem der „WingDing Shuffle“ nicht wieder aufrichtet. „I got life“ ist im Stil des Tulsa-Sounds anzusiedeln. Lockeres Gitarrenspiel zu laid back Rhythmus. „Just look what you have done“ bringt die erste Kehrtwendung. Jazzige Töne, sanfter Rhythmus und Richard singt ganz leise seine Dankeshymne auf J.J. Cale. Mit der Balladen „Le jardin de tes sens“ beweist Richard Koechli, dass die zweite Heimatsprache der Schweiz ebenso bluestauglich ist wie das Englische. Wie kann besser über Zärtlichkeit und geschenkte Herzen erzählen als auf Französich? Mit „You never lie to me“ kommt Soul, Funk und R&B ins Spiel. Zusammen mit Resogitarren und Orgelsound eine phantastische Nummer über Ehrlichkeit einer bestimmten Person, die ihn glücklich macht. „Blue Collar Worker“ ist die nächste Richtungsänderung: Country Blues mit kompletter Band, Mundharmonika, Slidegitarre über die hartarbeitenden Menschen auf den Straßen und an den Schienen, die eine Art Verbindung in der Gesellschaft halten sollen. „Pedro“ erzählt auf französisch und in einer spannenden Monotonie das armseelige Leben von Pedro oder von arbeitenden Kindern, denen die Jugend genommen worden ist. Mit „The unsung King – Tampa Red“ einem weiteren Heroen ein Denkmal – Ein schöner Folksong mit akustischer Slidegitarre. „I had a friend“ arbeitet den Verlust des Freundes auf, der selbst auch nicht leicht, aber der Beste war. „Etat d’urgence“ ist nun wieder eine Stilwechsel: Wieder wird, und in diesem Fall von JB Rosier französisch gesungen. In der rockigen Nummer geht es über den Ausnahmezustand der Welt, in dem wir uns momentan zu befinden scheinen. Und wieder brilliert Richard Koechli als Gitarrist, indem er alle Register der E-Gitarre und des Slides zieht. „You can’t judge a book by looking at the cover“ ist eine Countryrockversion des bekannten Bo Diddley Songs. Der haut Einen jetzt nicht gerade von Stuhl. Auch mit „Irish man“ fischt Richard Koechli im Fischteich einer musikalischen irischen Großfamilie, die in Deutschland ihre Erfolge feiert(e).

Richard Koechli liefert ein extrem breites Album ab, dass nicht nur durch ihn als Sänger und Gitarristen lebt, sondern auch durch die Blues Roots Company und deren Gästen. Die tollen Musiker brachten dann Instrumente wie Flöten, Akkkordeon, Violine, Saxophone und Uilean Pipes, also einen Dudelsack in die Songs ein, die auch von Richard Koechli komponiert und arrangiert wurden. Ich kann auch für dieses Album meine Begeisterung nicht verhehlen.

…dass ihr zuhört, bedeutet mir viel!

1’000 Dank, Merci, Thanks

Munich Talk Hörtipp: Wir nehmen die schwyzerdütschen Songs und zwar „Merci“ und „Of em gliche Grond schtah“, weil sie die authentischsten Songs des Albums sind. Und wir nehmen „You never lie to me“ und „Etat d’urgence“, weil sie die Fetzigsten sind

Munich Talk Resumée: Ein abwechslungsreiches Album, dass durch die warme Stimme und das brilliant-vielfälltige Gitarrenspiel von Richard Koechli glänzt

VÖ: März 2018 bei fontastix EAN-Code 7640149282856

Live-Band ‚Blue Roots Company‘

  • Fausto Medici (dr)
  • Michael Dolmetsch (key)
  • Heini Heitz (add. acoustic guit)
  • David Zopfi (b)
  • Dani Lauk (bluesharp, flutes)

Special-Guests:

  • Evelyne Rosier (bv)
  • JB Rosier (voc Song 13)
  • Walter Baumgartner (bluesharp Songs 01 + 08)
  • Stefan Künzli (sax Song 06)
  • Paddy Bütler (viol Song 15)
  • Tom Aebi (pipes Song 15)
  • Lilly Martin (English Coach)
  • Marco Jencarelli (Mastering)

Playlist:

  • 1 New Orleans 4:25
  • 2 Wing Ding Shuffle 5:21
  • 3 I Got Life 2:57
  • 4 Just Look What You Have Done 4:49
  • 5 Le jardin de tes Sens 4:54
  • 6 You Never Lie to Me 6:05
  • 7 Of em Gliche Grond Schtah 5:59
  • 8 Blue Collar Worker 4:40
  • 9 Pedro 7:34
  • 10 The Unsung King (Tampa Red) 3:20
  • 11 I Had a Friend 4:03
  • 12 Mother Nature 4:18
  • 13 Etat d’urgence 4:59
  • 14 You Can’t Judge a Book by Looking at the Cover 3:10
  • 15 Irish Man 8:02
  • 16 Merci 4:34

Videos:
Zum Reinhören:


Wenn es etwas mehr sein darf:


Links:
https://www.richardkoechli.ch/index.php/de/
https://www.facebook.com/richard.koechli


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