Ian Siegal B.L.U.E.S. Project in der Music Hall Worpswede

Eher beiläufig informierte mich die Nachricht der Music Hall in meiner Social-Media-Timeline über das Konzert des Ian Siegal B.L.U.E.S-Project. Das verlinkte Video ließ mich aber doch etwas aufhorchen. Ian Siegal sagte mir gar nichts, schwerer Fehler, ich gebe es zu. Aber die beteiligten Musiker ließen mich neugierig werden. Zunächst natürlich Big Pete an der Mundharmonika, den ich kannte und dazu Mischa Den Haring, den ich bereits Anfang der 2000er Jahre live beim Bluesfestival in Cognac mit seiner Band T-99 erleben konnte.

Also machte ich mich auf den Weg in meinen geliebte Hall. Das konsequent umgesetzte 2-G-Konzept gab mir das Gefühl, wie früher ein Konzert zu besuchen. Keine Maske bei der Veranstaltung, endlich mal wieder die gleichgesinnten Menschen wiedersehen, bzw. -treffen, wie es so lange nicht möglich war. WUNDERBAR!

Die Musiker betraten die Bühne, schick in Schale geworfen und eine weitere Überraschung offenbarte sich mir. Der wunderbare Christian Rannenberg nahm hinterm Flügel Platz und gab im Laufe des Abends den Stücken die nötige Prise eines Otis Spann. Die Rhythmusgruppe war an diesem Abend unglaublich gut eingespielt aufgelegt. Dusty Ciggaar an Bass und Rhythmusgitarre und Darryl Ciggaar Gesang und Schlagzeug. Die zwei sind als Dry Riverbed Trio mit ihrem von Power gefüllten Cocktail von Rockabilly , Country und Blues in den Niederlanden bekannt. Pieter van der Pluijm alias Big Pete spielte eine schön unaufdringliche, von den klassischen Harpern wie Little Walter und Big Walter Horton inspirierte Harp. Das war anders als noch 2017, als er mit den Red Devils eine Lester-Butler-Tribute-Tour absolvierte.

Und dann, im Laufe des Intro-Songs betrat der Protagonist des Abends die Bühne – Ian Siegal. Er hing sich seine Telecaster um, stöpselte sich in den Tweedverstärker und die Blues-Celebration begann. Denn darum ging es an diesem Abend. Das Genre nicht in seiner modernen, so bluesrocklastigen Ausprägung auszuloten, sondern den Klassikern dieser musikalischen Stilrichtung den würdigen Raum zu geben. Songs von Muddy Waters, Little Walter, Howlin´ Wolf, Otis Spann, Tommy Tucker, Billy Boy Arnold u.a. kamen zur Aufführung. Ian Siegal war in der Ankündigung natürlich der Headliner, er wird als größte britische Blues- and Roots-Sensation geführt, oder auf einer Internetseite fand sich Folgendes: „Das renommierte britische Musik-Magazin MOJO meint schlicht:„ one of the most gifted singers and writers in contemporary blues and one of the most inventive Blues recordings ever made by a British artist.“ Aber im Laufe des Abends konnte man erleben, dass er diese Auftritte mit seinen Mitmusikern gemeinsam gestaltete. Ein jeder bekam Zeit und Raum sich zu präsentieren.  Es lag Ian Siegal auch sehr am Herzen, dass Bluesfestivals in Europa den afroamerikanischen Musikern den nötigen Raum geben sollten.

Zu den Features des Abends gehörten bei Big Pete die Songs von Little Walter, Darryl Ciggaar sang einen Klassiker der Fabulous Thunderbirds „The Crawl“ mit begeisternder Publikumsunterstützung, Chris Rannenberg einen gesellschaftskritischen Song zur Wohnungslosigkeit von Tommy Tucker, Mischa Den Haring bekam Gelegenheit das Boogie-Funk-Thema eines Freddy Kings zu zitieren. Da war nicht eine Begleitband für einen britischen Musiker zu Gange, sondern kongenial gestalteten alle gemeinsam einen wunderbaren Bluesabend, der in einem mehrstimmigen vom Satzgesang geprägten Song in der Zugabe gipfelte.

Abschließend gilt mein Dank an der Stelle den Menschen der Music Hall Worpswede, dass sie dies möglich gemacht haben.

Weitere Infos zu den Musikern

Ian Siegal: https://iansiegal.com/

Mischa den Haring: http://www.t-99.com/

Dusty Ciggaar und Darryl Ciggaar: https://www.dryriverbedtrio.com

Big Pete: https://www.facebook.com/bigpetemusic

Christian Rannenberg: https://de.wikipedia.org/wiki/Christian_Rannenberg