Friedel Geratsch – Adi Hauke: Lustige Zeiten


Auf der neuen CD „Lustige Zeiten“ präsentieren uns Friedel Geratsch und Adi Hauke Songs, die uns teilweise beim Lachen im Hals stecken bleiben. Mit Hilfe von vielen Freunden und Mitmusikern aus alten und neuen Zeiten zeigen uns die Herren mit viel Augenzwinkern deren Sicht auf aktuelle gesellschaftliche und zwischenmenschlichen Themen. Auf der CD sind 14 und bis auf einen Song nur in gewohnter Manie deutschsprachige Songs, die als Cigarbox-Rock tituliert werden. Genaugenommen umspannen die Songs viele Genres wie Blues, Rock, Balladen und Boogie. Das Gemeinsame ist die Dominanz der Cigarboxguitar (CBG), also einer meist selbstgebauten Gitarre aus einem einfachen Hals (Latten, ausgediente Gitarrenhälse oder Besenstiele), eine Zigarrenkiste als Klangkörper und einfachsten Mechaniken zum Befestigen der Saiten. Zusammen mit einem Tonabnehmer wird ein rauer und sehr typischer Sound erzeugt, den sich Friedel Geratsch in den letzen Jahren zueigen gemacht hat. Die CD kommt im Plastikcover zusammen mit einem beim Redakteur immer willkommenen Booklet mit Erläuterungen und vor allem einer visuellen Präsentation der illustren Gastmusiker und Chorsänger, die im Nachspann der Rezension noch mal gelistet werden. Von den 14 Songs hat Friedel Geratsch für 11 Songs den Text und die Musik geschrieben. Bei 3 Songs steuerten Reinhard Baierle, Wolfgang Stahl und David Sutton auch Texte bei.

Der Titel- und Einsteigesong in das Album ist „Lustige Zeiten“.  Der Song ist ein schneller Boogie und gibt gleich einen guten Start in das Album. Witzige deutsche Texte, Chorgesang (Juhu) und viele Blueselemente nebst dominanten Sound der Cigarboxguitar (CBG). „Lustige Zeiten“ ist ein kurzer Abriss unseres derzeitigen gesellschaftlichen Zustands, der Ängste der Menschen und dem Lachen, was einem als letzten Ausweg noch bleibt, um mental zu überleben. Mit dem gleichen Tempo geht es bei „Halleluja das wird geil“ weiter. Brandstifter sind unterwegs und verbreiten Chaos und Feuersbrunst. Und Friedel Geratsch singt, dichtet und reimt uns die Gesellschaft vor die Augen. Ein CBG-Solo vom Feinsten darf nicht fehlen. Die weibliche Stimme im Hintergrund stammt wahrscheinlich von Lisa Brockmeier und stellt ein Minihighlight für wenige Sekunden her. „Feierabend“ besingt das Feeling in der Belegschaft nach Schichtende oder Büroschluss. Der werktätige Touch der Songs ist etwas, was sich seit Anfang an durch die Songs von Friedel Geratsch Songs zieht. Er textet als einer von ihnen. Ein beliebtes Thema in Rocksongs ist die verflossene Beziehung zum Lebensabschnittspartner. „Kühl dich ab“ beschreibt die Gefühle und Zeit nach der Trennung. Der Song selbst ist ein schneller Rocksong, der Refrain kommt im Chorgesang. Überhaupt ist das Stilmittel des Background- oder Chorgesangs etwas, was sich positiv durch das Album zieht. Es motiviert den Zuhörer sofort, auch mitzugrölen. Ein Song, der auf die Bühne und vor das grölende Publikum muss. Und hoppla, die Kapelle nimmt das Tempo raus und bringt eine Ballade. „Lass es scheinen“ fordert den Zuhörer auf, nach dem ganzen Unrat des Tages die Motivation am Abend hochzuhalten und die Dunkelheit mit dem eigenen positiven Strahlen zu erleuchten. Auch wenn Friedel Geratsch behauptet, er spielt keinen Blues sondern CGB-Rock kommt mit „Wo geht’s lang“ doch der 12-Takter daher. Ein schöner Blues mit Harp, Gitarrensolo und tollen Gesangsparts. Und dann der Break, wenn es durch die Hölle geht und eine Orientierungspause notwendig wird. Aber Friedel Geratsch und Adi Hauke wissen genau, wo es lang geht. Nämlich zu Song Nummer 8. Da hämmert die CBG ein deftiges Bassriff, die Bassdrum stampft den Takt, um den einfahrenden Zug und das wummernde Herz darzulegen. „Herz macht bumm bumm bumm“ beschreibt seine Aufregung am Bahnhof bei der Einfahrt des Zuges, den seine Liebste kommt. Phantastischer Bass&Drum Song – minimalistisch und mitreißend – bumm bumm bumm! Adi Hauke ist phantastisch komplementär zu Friedel Geratsch. Der Eine rau und wild, der andere melodisch und harmonisch. Das stellt er gleich bei „Fahrstuhl des Lebens“ unter Beweis. Der Fahrstuhl fährt rauf und runter durch das ganze Haus. Sicherlich autobiographisch aus dem Leben eines Musikers, der seit den Beginn der Achtzigern alle Höhen und Tiefen mitgemacht hat. Auch wenn andere aus dem Fahrstuhl des Lebens nicht lebend herauskamen, seinen eigener Fahrstuhl des Lebens hat er aber Gottseidank überlebt. Eine wunderbare Ballade mit viel Gefühl. Der Swing „Gutes Gefühl“ hinterlässt allerdings eine Frage: Wenn meint er, wenn er davon singt, dass sie ihm ein gutes Gefühl gibt? Eine seine Hunde, einer seiner zig selbstgebauten CBG? Aber nein, es kann nur die Holde zu Hause sein. Und seinen Schatz will er „Nicht nur am Wochenende“ haben. Skifahren, Karneval, Spanischkurs klauen die ganze Zeit und er will die Liebste nicht nur am Wochenende verwöhnen, sondern er will sie jeden Tag umgarnen. Ein schönes langsames Stück mit klaren Rhythmus und schön verzerrter CBG. Weiter geht es mit dem rollenden Stück „Man kann das Rad nicht neu erfinden“, aber bei der tollen Musik der Beiden rollt es und rollt es und rollt es, ohne das man was Neues machen muss.

Das verbindende Glied zwischen Friedel Geratsch und Adi Hauke ist die Leidenschaft zu den selbstgebauten Cigarboxguitars, Kofferverstärker und Kofferbassdrums. Auf einem Festival haben die Beiden sich kennengelernt und ziehen daher den Bogen von Woodstock nach Wacken bis eben zu dem „Smokin‘ Guitar“ Festival in Pleutersbach. Die Lockdownkrise hat die beiden begeisterten Musiker bewogen, eben genau diese Album aufzunehmen. „Woodstock Wacken Pleutersbach“ steht für diese Leidenschaft für diese Musik und vor allem für diese selbstgebauten Instrumente. Diese Leidenschaft teilen sie auch mit Jörg „Jogy“ Metz, Andi Saitenhieb und Servaas Bollen. Jeder von ihnen war an dem Album „Lustige Zeiten“ beteiligt. Wer sagt, dass man eine Gitarren kaufen muss? Der Song ist schnell, der Chorgesang peitscht die Message in den Zuhörer hinein. Mit 6:48 Minuten der längste Song auf dem Album. Ein beliebtes Thema in der Musik, aber auch in der afroamerikanischen Musik sind die Geschichte über Züge. Hobos, die Stahlarbeiter in Chicago und Baumwollpflücker in Louisiana waren immer auf Züge unterwegs oder verweilten in der Hoffnung, dass er die Liebste zurückbringt. Der vorletze Song rattert daher im Takt der Räder und Dampfpleuel einer alten Zugmaschine und transportiert die Nachricht „Ein Zug wird kommen“ und bringt sie zurück. Schneller Rhythmus und Takt, eine peitschende Bluesharp und ein treibender Bass markieren diesen Punkt des Songs: Geschwindigkeit. Der Abschluss des Album ist der einzige englische Song „A hole in my life“, den der Gastmusiker David Sutton beigesteuert hat. Ein langsamer Blues über das überragende Thema aller Songs: Die verlorene Liebe – Traurig, langsam, melancholisch, weil der Verlust seiner Liebsten ein Loch in sein Leben gerissen hat.

Wieder einmal bin ich begeistert, was Friedel Geratsch mit seinen Musikern, Gästen und Chorsängern geleistet hat: CBG-Musik mit allen Stilelementen der anglo- und afroamerikanischen Musik kombiniert mit Texten aus der heuten Gesellschaft und den immerwährenden zwischenmenschlichen Problemen. Aber es wird auch immer Hoffnung versprüht. Ein spannendes und packendes Album mit schnellen Song und langsamen Balladen, geprägt durch die selbstgebauten Instrumente der Protagonisten des Album: Friedel Geratsch und Adi Hauke samt den anderen CGB-Musikern, wie sie unten in der Liste noch mal nachzulesen sind. 

Munich Talk Hörempfehlung: „Woodstock Wacken Pleutersbach“ oder „Herz macht Bumm bumm bumm“ oder „Gutes Gefühl“, weil es (Zitatanfang)  „die pure Lust am Leben“ (Zitatende) ist.

Munich Talk Resumée: Ein reichhaltiges CGB Album mit minimalistischen musikalischen Instrumenten maximal berührend eingespielt. Und wie immer: Augenzwinkernde deutsche Texte, die zum Zuhören auffordern und auch mal in eine Sonntagsvormittagmusiksendung passen

Songliste:

01) Lustige Zeiten 2:51
02) Halleluja das wird geil 3:33
03) Feierabend 3:11
04) Kühl dich ab 3:22
05) Lass es scheinen 3:11
06) Wo geht’s lang 3:36
07) Herz macht bumm bumm bumm 2:59
08) Fahrstuhl des Lebens 4:36
09) Gutes Gefühl 2:31
10) Nicht nur am Wochenende 2:57
11) Man kann das Rad nicht neu erfinden 3:22
12) Woodstock Wacken Pleutersbach 6:48
13) Ein Zug wird kommen 3:14
14) A hole in my life 3:07

Band:

  • Friedel Geratsch: CBG, Blues Harp und Gesang
  • Adi Hauke: CBG, Gesang, Bass
  • Pascal Cherouny: Bass, Chorgesang
  • Stephan Schott: Schlagzeug

Gastmusiker:

Thomas Passmann-Engel: Piano

  • Jörg „Jogy“ Metz: CBG, Chorgesang
  • Volker Metz: Bass
  • Andi Saitenhieb: CBG
  • Servaas Bollen: CBG
  • Kurt Buschmann: Saxophon
  • David Sutton: Vocals
  • Chorsänger (bei diesem Album eklatant wichtig): Andreas Kunst, Andi Saitenhieb, Billy King, Chris Brandon, Lisa Brockmeier, Mari Eckhardt, Mark Torben Rudolph, Mike Buhl, Reiner Hundsdoerfer, Rene Steinberg, Stefan Breiding, Stefan Pössnicker, Thomas Passmann-Engel

Vertrieb:

VÖ: 10.10.20 über Amazon

Presale über Yellow Snake Records oder https://shop.ientertainment.de/friedel-geratsch-adi-hauke-lustige-zeiten.html

Friedel Geratschs Anteil geht wie immer an das Tierrefugium Hanau.

Videos:


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