The Blues Company im Kleinen Theater Haar – Das Konzert


Einen weiten Abstecher in den tiefen Süden machte am 5. April 2019 die Blues Company und spielte im Kleinen Theater Haar bei München auf. Das Kleine Theater ist eine Livebühne und bietet für Kleinkunst eine kleine Bühne oder eben im großen Theatersaal auch die große Bühne. Man konnte gespannt sein, ob die in Osnabrück beheimatete Blues Company auf ihren raren Konzerten in Bayern den Saal füllen wird. Und tatsächlich wird das Foyer schnell von Fans der älteren Garde bevölkert und der Saal füllte sich ebenso nach Öffnung der Saaltüren. Und wie es sich in einem Theater gehört, wird der Konzertbeginn mit mehrmaligen Gongtönen angekündigt. Die Band erscheint auf der Bühne, begrüsst das Münchner Publikum, was mit höflichen Applaus antwortet und schon geht es souverain los: „Rock this house“ geht ab wie Schmitts Katze, weiche und unverzerrte Solos auf  Toshos Halbakustik, Mike Titre die Hand voller Daumen- und Fingerpicks die harte Variante auf Fender und Danelectro Gitarren. Komplementärer oder gegensätzlicher geht es fast nicht. 

Das Quartett besteht aus den Gründer Todor „Tosho“ Todorovic an der Gitarre, dem langjährigen Mitglied Mike Titre auch an der Gitarre und am Baß der noch schüchtern wirkende Arnold Ogrodnik, welcher auch Keyboards spielt. Am Schlagzeug mit dabei Florian Schaube, der wieder einmal als guter Schlagzeuger beweist: Weniger ist mehr. Es geht Schlag auf Schlag. Blues Songs wechseln sich mit kurzweiligen Geschichten ab. Die Blues Company produzierte in 43 Jahren 33 Tonträger, wofür Tosho dem Publikum in Haar stellvertretend für die Fans Dank aussprach – „The Blues is good to me“. Dann „The News“, ein Stück aus der neuen CD „Ain’t givin‘ up“ mit aktuellen sozialkritischen Hintergrund.  Und weiter mit „Sticks and Stones“, das Mike Titre zum Album beisteuerte. Für mich eine der besten Nummern des Abends und des Albums. Apropos Mike Titre. Die Jungs neigen ja zum Erzählen, weil ein über 40 Jahre andauerndes Musikerleben viel Stoff bieten. Mike holt lange aus und dann kommt es: Mike Titre hat(te) einen englischen Pass, möchte dem ganzen Brexitdisaster entgehen, wird Deutscher wie seiner Mutter auch und heißt ab sofort Michael Titre. Das gefällt dem Publikum, lacht herzhaft mit Michael Titre mit und schon geht es weiter mit der Canned Heat Nummer „Let’s work together“. Nach „Ain’t givin‘ up“ reicht Arnold Ogrodnik des Bass an Michael Titre, um selbst am Klavier weiter zu spielen.

Jetzt kommt auch Arnold in Schwung, der sich bis jetzt mehr schüchtern im Hintergrund gehalten hat. Emotionen ist etwas, was alle 4 Musiker zeigen. Gesichtsmimik und Körperhaltung spiegeln die Begeisterung wieder, auch wenn dicke Brillen die Augen verdecken.  Tosho erzählt eine Geschichte aus dem Jahre 1964 über den Song „Brother, we are you?“. Musiker haben immer etwas was zu erzählen. Wen es interessiert: Zur Hören auf dem 2016er Album „Old, New, Borrowed But Blues“. Und es gibt noch eins drauf mit „Riot goin‘ on“. Michael Titre brilliert auch an der Blues Harp. 

Und weiter geht der Abend. Smoothe Nummern und noch eine Schaufel draufgelegt: „Black Night“ aus dem gleichen Album. Und die Nummer ohne Titel „Waiting for springtime“, ein Instrumental aus den neuesten Album, dass auch ohne Bläser phantastisch klingt. Tosho ist mit Leib und Seele dabei, verzieht das Gesicht zum Song und brabbelt sich mit der Gitarre in Stimmung. Er ist eins mit dem Instrument!

Michael Titre auf dem Leib oder die Slidegitarre geschneidert ist natürlich die Robert Johnson Nummer „Walking Blues“. Arnold glänzt mit einem Baßsolo, „Red Blood“ hat tolle Akkordwechsel und stimmungsvollen Duogesang mit Tosho und Michael. Trotzdem daß die Band den Blues spielt, ist kein Song einfach gestrickt. Das macht den vielfältigen Sound aus, auch wenn nur 4 Musiker auf der Bühne stehen. Als Zugabe dann „Hide Away“, welches das Thema von „Peter Gunn“ exzessiv ausbaut und dann wird noch Peter Greens „Albatros“  nachgelegt – Für die Fans der älteren Garde ein phantatischer Schluß mit den Nummern, mit denen wir den Blues in jungen Jahren eingesogen haben. Songs übrigens, die auch Tosho anfänglich über die Remo Four schon begeistert haben.

Das Konzert endete dann gegen 22Uhr, das Publikum und der Veranstalter waren mehr als zufrieden. Vor allem, weil die Band noch gerne am Merchandizestand zum Small Talk, Selfieschiessen und Albenverkauf kam. Auch wenn das Publikum mehr passiv war und die Songs erst im Anschluss beklatschte, hätte ich mir doch etwas mehr Bewegung und Emtionen gewünscht, um der Band ein wenig mehr Bestätigung über einen gelungenen Abend zurückzugeben.

Hier geht es zur Photogalerie des Konzerts

Hier geht es zum Interview mit Tosho im Anschluß des Konzerts.

Interview: Mario Bollinger

Photos: © Christophe Rascle


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