Bayern – Dein Blues: blues blosn – da Weg


Und wieder mal was aus bayerischen Landen: Die Landshuter Band blues blosn (konsequent klein geschrieben) veröffentlicht am 12.1.18  ihre neue CD „Da Weg“ (konsequent bayerisch geschrieben). Das Album kommt im einfachen Pappcase mit 14 Titeln und einer Zugabe. Alle Songs sind von Robert Hobmeier geschrieben. Der Begleittext im Cover ist eher minimalistisch und die Bilder eher rar. Da muss man schon die CD in den Player stecken und erst mal reinhören. Den ersten Song „Banal oder genial“ habe ich mir als Leitfaden ausgesucht, wo das Album fasziniert oder nur eben banal ist. Vorweg: Das Album ist konsequent in bayerischer Mundart gesungen. Der Song „So wia’s ma gfoid“ gibt die Erklärung dafür. Im Gegensatz zu einem B.B. King Bluesstück versteht man die Texte: Banal oder genial? Aber jetzt wo man den Text versteht, erhöht sich das Risiko, dass der Hörer sagt, „Deine Texte san fei bläd“.  In Landesdialekt zu schreiben und zu singen ist löblich. Schorsch Hampel und der göttliche Willy Michl haben das vorgemacht. Allerdings verleitet die bayerische Sprache leicht zum Verschleifen des Klangbildes. Der Blues rechtfertigt nicht alles und die Hymnen auf den „Rythmus & Blues“ oder auch das o.g. „So wia’s ma gfoid“ sind kein Ablassschein, wenn die Songs nicht ganz so spannend sind. Wenn dann die Songs auch noch sehr gleichförmig gesungen und die Gitarre immer den gleichen Sound  hat, wird es schwierig, über 15 Songs die Spannung zu halten. Dafür greifen die 4 Musiker samt Gastorganist Engelbert Strake tief in die Stilkiste. Da wird auch die gute alte „Polka“ zitiert und über der modernen Abart Balkanpolka oder Ska hergezogen. „Banal oder genial“ ist ein in Moll gehaltener schneller Boogie und lässt sich über verbaler Klugscheisser aus. Sehr gleichförmig aber dafür in Dur geht es in „Rhythmus & Blues“ weiter. Im astreiner Chicago Blues Stil zitiert „I dua me nimma owe“ bayerische Sinnsprüche über das unausgeflippte Altwerden (Oid werd ma im Kopf).  Bei dem Intro von „Glei dabei“ könnten John Lee Hooker oder Howlin‘ Wolf Pate gestanden haben sein, der Text dagegen ist brandgefährlich und beschreibt den Menschentyp, der vorher erst den Mund aufreißt und dann doch wegschaut oder kneift, wenn es ernst wird – Kategorie genial! „Da Weg“ gehört mehr zur Kategorie „Banal“ mit einem melodiösen Blues und einer Abhandlung des letzten Weges. Hier kann jeder nur vermuten, aber keiner weiss es genau, wo der Weg hinführt. Das Credo für alle Musiker und Bands mit weniger gefälligen Stilrichtungen ist in „Spielsucht“ zu finden. Es beschreibt, den Frust, der aus der Spielleidenschaft der Musiker entsteht, wenn die Säle leer sind oder das Publikum was ganz Anderes hören will – Blueserschicksal genial wiedergegeben. Ein Stück bayerisches Lebensgefühl beschreibt „Feieram“, also das Glück nach dem getanen Tageswerk. Musikalisch leider wieder etwas gleichförmig aber mit großer textlicher Intension dieses Lebensgefühls, die z.B. toll mit der Mundharmonika melodisch unterstützt wird.

Eher banal ist die Nachlese auf die Anti-Atomkraftkampagen der 70er Jahre und den Wackersdorfkonflikt. Banal ist aber nicht der Konflikt an sich, sondern die im Text manifestierten Konsequenzen. Ja, meine Herren, es ging nur ums Geld, ist aber nichts Neues. Der „Worksong“ ist von ähnlicher Intension, nämlich die Auseinandersetzung des Kapitalismus mit den Bedürfnissen der Menschen. Da zitiert man doch gleich mal das „Bruttosozialprodukt“.

Swingend bis jazzig präsentiert sich der „Laufpass“ mit Robert Hobmeier und sein coolen Harpsolo. Textlich eher banal, weil eine Beziehung zwischen einem Fussballspiel und der Lebenbund hergestellt werden soll. Genial dagegen  „Urinstinkt“ mit einer Ansammlung von bayrischen Dialektphrasen und Wörter, die das eine oder andere bedeuten könnten: „Des is der Urinstinkt, des Bläde ist, dass der Urin stinkt“. Auch das Oktoberfest bekommt sein Fett ab. Das „Stoffhaus“ zitiert alle Synonyme, die sich um das Bier und sein größtes Fest ranken. Eine Nummer, so schnell und fetzig wie „Born in Chicago“ von Paul Butterfield. Da darf das „Prosit“ als musikalisches Zitat nicht fehlen. Herbe Kritik an der Lebensform Gesellschaft findet man in „Fauler Kompromiss“

Schade, dass sich die blues blosn nicht die Zeit genommen hat, einen Spellschecker über die abgedruckten Texte laufen zu lassen. So haben sich doch einige Fehler im Cover eingeschlichen. Der Erste, der mir  per Email einen Fehler nachweist, bekommt das Album ausgelobt. Ich hätte mir auch gewünscht, wenn die Songs mit etwas mehr Varianz gespielt und gesungen worden wären, um der Gleichförmigkeit des bayerischen Gesangs etwas entgegenzuwirken.

Die Band:

Robert Hobmeier – Mundharmonika, Gesang, Texte
Armin Weinzierl – Gitarre
Hans Wimmer – Schlagzeug
Georg Eggerbauer – Bass
Gast: Engelbert Strake – Orgel

MunichTalk Hörtipp:  „Stoffhaus“ und „Polka“, weil es schnelle Nummern sind und „I dua mi nimma owe“, weil in Bayern „Ois Chicago is“

MunichTalk Resumé: Nicht jeder Song wird auf bayerisch automatisch ein identischer Blues, dafür findet man witzige Texte und Sprüche, die es eben nur in der bayerischen Sprache so gibt.

Die CD erscheint am 12.1.18 über BSC Music in den Läden und wird mit einem Releasekonzert gefeiert:
13.1.18 Großwirt Mirskofen ab 20:00.
Die Titel sind u.A. käuflich hier erhältlich: http://www.bscmusic.com/de/cd_shop/search/cdshop.htm

Titelliste:

1 Banal oder genial 03:17
2 Rhythmus & Blues 02:52
3 I dua me nimma owe 03:42
4 Glei dabei 03:28
5 Da Weg 04:20
6 Spielsucht 04:57
7 Feieram 03:57
8 Es habd’s uns oglong 04:27
9 Work Song 01:57
10 Laufpass 03:17
11 Urinstinkt 03:28
12 Stoffhaus 03:42
13 Fauler Kompromiss 02:46
14 So wia’s ma gfoid 03:54
15 Polka 03:25

Videos:

Links:

http://www.bluesblosn.com/

 


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