Greyhounds Washboard Band: Street Corner Blues


Beinahe wäre es daneben gegangen. Das schmeißt Greyhounds Washboard Band eine neue CD auf den Markt, wird für den International Blues Challenge 2018 nominiert und kurz vor Start fehlt es an den Reisemitteln. Eigentlich ein Thema für sich, das wir hier auch nicht ausbreiten wollen, aber es hat sich alles zum Guten gewendet und die Band reist zum EBC und IBC. Heute geht es eben um die neue CD „Street Corner Blues“ der 2015 formierten oder reformierten Gruppe der Herren Greyhound George (Jürgen Schildmann), Washboard Wolf (Wolfgang Voss) und auch Andy Grünert. Wie kaum anders zu erwarten spielen die Herren den Blues der 20er und 30er Jahre des letzten Jahrhunderts, wo der Blues mit einfachsten Mitteln an den Straßenecken und Kneipen gespielt wurde. Damals nahm man zum Musizieren, was im Haushalt vorhanden war: Eine Gitarre, das Waschbrett der Oma und eine Mundharmonika. Heute spielt Greyhounds Washboard Band nicht mehr ganz so originär einfach: George geht mit mindestens 2-3 verschiedene Gitarren ans Werk, Washboard Wolf hat das Waschbrett mittlerweile zur spektakulären Rhythm Section aufgebohrt und Verstärker, wie sie Andy Grünert spielt, waren in den 20ern eher eine Seltenheit. Aber der Blues muss sich entwickeln, sonst kann er leicht im Eigensaft verkommen. Das Album hat 15 Songs in einem schönen und stilechten  Klapp- und Pappcover. Erfreulich ist, dass man mittlerweile die Originale nicht mehr bis zum Erbrechen nachspielt. Die deutsche Bluesriege und auch Greyhound George komponiert selbst. Er steuerte 13 der 15 Songs bei. Ob Greyhounds Washboard Band im eigenen Traditionssaft schmort oder aufblüht, sehen wir gleich.

Beim Durchhören erinnerte ich mich an ein Interview mit Stevie Ray Vaughan. Er sagte, dass die Musik früher mehr an alltägliche Ereignisse geknüpft war, wie z.B das Vorbeifahren eines Zugs oder das Marschieren eine Manns oder auf das Vorbeireiten eines Pferdes. So ist es normal, dass in einer Zeit, in der es kaum Radio oder Fernsehen gab, diese Dinge sich als „Bild“ in der Musik manifestierten. So auch bei Greyhounds Washboard Band durch den Einsatz einer Vielzahl von Rhythmusinstrumenten. Washboard Wolf gibt immer „seinen Senf dazu“ und das peppt das Ganze auf und kann oft den Zuhörer zum Schmunzeln bringen.

Aber erst mal von vorne. Musikalisch ist das Album naturgemäß im Prewarzeitalter stehen geblieben. Auch neigen die alten Bluesmusiker oft dazu, sich nach einige Zeit selbst zu kopieren oder gerne „Ideen“ anderer Bluesern zu übernehmen. Das ist aber auch bei der Limitierung auf 12 Takte und 3 Basisakkorde legitim. „Busy Woman Blues“ erinnert an „Rollin‘ and Tumblin'“ , „My Wash Woman is Gone“ stammt von Memphis Minnie/Joe Mc Coy und „Shake em on down“ von „Mississippi“ Fred Mc Dowell. Hier kommt es dann auf die Interpretation oder Instrumentierung an und „Busy Woman Blues“  ist so elektrisierend mechanisch gespielt, dass es  wieder an SRVs Aussagen und an ein immer in Bewegung befindliches Reisegerät erinnert.  Die Erinnerung an die alten und längst vergessenen Geräusche geht weiter. „My wash woman is gone“ startet mit dem  Waschrubbelgeräusch im Waschzuber. Der Sänger, hier Andy Grünert, jammert, dass seine Waschfrau weg ist. Da der Blues ja nur aus Sinnbildern besteht, ist klar, dass es sich hier nicht unbedingt nur um die Wäschefrau handelt (ain’t got nobody to rub). In „Apple Street to Memphis“ spannt Greyhounds Washboard nun die Pferde an, um sich Memphis anzuschauen und sich hoffentlich endlich seinen Blues Award zu holen.

Aber der Blues von Greyhounds Washboard Band hat auch moderne Seiten.  „Fake News Blues“ erzählt von Vorkommnissen, wie es sein sollte, aber nicht ist. Die Veränderungen der Welt werden in „The World’s gonna crazy“ besungen und mit fast biblischen Zitaten belegt: „… rich get richer and the poor man can’t even pay the rent…“. In „Let your money work for you“ gibt Greyhounds Washboard Band gegen den Obolus des CD-Preises gratis Finanztipps.

Aber es gibt auch völlig von Zeitgeschichte und Umgebungsgeräuschen unbelastete Songs, die einfach nur gut klingen. Mit „Airplane Blues“ kauft sich der finanzgestärkte Bluesmann ein Flugzeug und beeindruckt seine Liebste. Mit nur Washboard verstärkt glänzt die Nummer durch spannende Bassläufe in der Auflösung. „Don’t you mess it up again“ ist Country Blues pur – „…Yes. yes, yes…“. „No mo“ startet mit einer warmen Harp und bietet eine ungewöhnliche Auflösung, damit es nicht in den Standardblues abgleitet. Auch Greyhounds Slidesolo ist phantastisch und unterstützt die Auflösung. „Ain’t it lonesome“ klagt in einer Ballade über das einsame Musikerdasein. „Keiner kennt Dich, keiner kennt Deinen Namen, nein- so wollte ich das nicht haben“ ist die späte Erkenntnis des alten Musikers.

MunichTalks Hörtipp: „Do that thing“ mit coolen Basslauf und „Busy Woman Blues“. Auch wenn „Rollin‘ and Tumblin'“ dahinter steckt ist es eine elektrisierende Nummer.

MunichTalks Resumé: Musikalisch nichts dramatisch Neues aus der Apfelstraße, aber dafür neue und moderne Texte und Inhalte und auch interessante Sounds mit perfekt gespielten Instrumenten. Und hoffentlich einen Siegerplatz in Memphis.

Videos:

Links:

Die CD ist nur über die Webseite von Greyhounds Washboard Band  erhältlich. Preis € 15,- zzgl.€ 2,50 Versand

www.washboardband.de


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