B.B. and the Bluesshacks – Heimspiel im Vier Linden in Hildesheim


Wie im letzten Jahr auch schon, versprach die Ankündigung des alljährlich stattfinden Heimspiels am 14.10.2017 der Bluesshacks ein echter Knüller zu werden. Waren 2016 Big Pete (harp) aus den Niederlanden und Nico Duportal (git) aus Frankreich die speziellen Gäste des Abends waren es in diesem Jahr die wunderbare Sängerin Bonita Niessen aus Südafrika und die neue CD.
Bereits am Eingang wurde deutlich, die Fangemeinde der Band kommt in Scharen zu diesem Ereignis. Eine lange Schlange bildete sich bereits vor dem Einlass. Geduldiges Warten gehört also zum Einlassritual beim Heimspiel. Der Saal füllt sich innerhalb kurzer Zeit. Die „Pausenmusik“ erfüllte mich schon mit Freude, es schien als hätte jemand die Musikliste meines Handys übernommen. Hier fühlte ich mich heimisch und am richtigen Platz.
Ohne große Verspätung begann die Show mit dem Titelsong der neuen CD „Reservation Blues“. Ein Paradestück des West-Coast-Blues mit einem derart fetten Sound, getrieben vom Bass (Henning Hauerken) und dem Schlagzeuggroove (André Werkmeister) befeuerten der Bläsersatz von Tom Mueller am Saxophon und Stefan Gössinger an der Trompete den Song. Und es ging noch fetter „Lay some shuffle down“ mit einem so typischen Gitarrenintro. Da hört man zwar die Einflüsse eines Hollywood Fats oder Junior Watson, aber eben den typischen Gitarrenton von Andreas Arlt. Bluesparty at it´s best – Put on your dancin´shoes – wer dabei unbeweglich stehen bleibt, muss taub oder ohne musikalisches Gefühl sein. Mitgerissen quittierten die Gäste des Abends mit begeistertem Applaus die ersten beiden Nummern.

„My Time Aint Long“ erzählte sodann im Slowtempo von den unglaublichsten Begebenheiten, die den Jungs auf ihren Tourneen passierten, vom Elektroshock bis zum Herzinfarkt wie Michael Arlt in seiner Ansage erklärte. Die Band erzeugte in dieser Nummer einen unglaublichen Spannungsbogen, nach dem gefühlvollen Gesangseinstieg kam Fabian Fritz am Klavier mit einem schönen Solo zum Zuge, der den Bogen weiter spannte, der dann wiederum von Andreas Arlt aufgenommen und zu absoluter Ekstase geführt wurde – unglaublich so etwas erleben zu dürfen.
„Come along“ vom gleichnamigen 2011er Album , sowie das nachfolgende Stück nahmen die Zuhörer mit in die Tanzschuppen der 60er in denen guter Motown-Sound Good-Vibes-Feeling verbreitete. Hier hatte Tom Mueller am Saxophon Gelegenheit, sein solistisches Können unter Beweis zu stellen. „I made about you“ wiederum vom brandneuen Album setzte dies fort. Ja die Bluesshacks können eben auch so wunderbar bluesy Soul spielen. Faszinierend wie die Bläsersätze die Solisten förmlich antrieben und v.a. natürlich Andreas Arlt gab alles.
Das Publikum in Hildesheim ist einfach eine Wucht: Die ersten Takte von „Deep in the heart of Texas“ erklangen, Maddy machte seine Ansage und der Saal klatschte vom ersten Takt (rhythmisch korrekt!) mit. Wenn so etwas auf die Bühne schwappt, gelangt eine Band zu wahren Höhenflügen und Fabian Fritz am Klavier zu einem wunderbar gespielten im Barrelhouse-Stil gehaltenen jazzy-soundigen Solo mit ganz viel Dynamik. Daumen hoch! Und natürlich nach so einem energetischen Feuerwerk musste eine Soul-Schnulze kommen: „It´s not a spotlight“ da waberte so schön der Soul-Schmalz von der Bühne und Michael Arlt sang so herzzerreißend schön. Zum Schluss des ersten Sets bogen die Shacks zielsicher wieder auf die Fiftys-Style-Blues-Schiene mit einem Stück ihrer neuen Scheibe. „Honeycomb“ bot allen Instrumentalisten noch einmal Gelegenheit ihr Können zu demonstrieren.

 

Und dann begann das zweite Set mit der, wie sie Michael Arlt ankündigte, einzigartigen, wundervollen Bonita Niessen. Er hatte so recht. Was im zweiten Set folgte war ein Dynamik-Hammer! Es kamen Stücke aus der gemeinsamen CD-Produktion Bonita & the Bluesshacks aus dem Jahr 2015 zum Vortrag. Es begann mit „Don´t Call Me Babe“, bei dem die beiden Protagonisten sich augenzwinkernd ansangen, den Text des Songs förmlich vorlebten, ihr Spaß auf der Bühne auf das Publikum überging. Bei „Love Ain’t Never Hurt Nobody“ spürte man, dass die Beschreibung im CD-Text „Mit unglaublich viel Soul in ihrer Stimme interpretiert Bonita Niessen Blues- und Soulnummern mit wahnsinnig viel Gefühl, Intensität und Spaß!“ wahrlich passend ist. Selten war ein CD-Booklet-Text treffender formuliert.
Bei „Lonesome“ wurde das Duo-Zusammenspiel von Sängerin und Sänger übertragen auf einen Solisten-Battle zwischen Tom Mueller am Saxophon und Stefan Gössinger an der Trompete. Aber das war noch nicht alles: Bonita vermochte das Publikum zum Call-and-Response der Titelzeile zu animieren und das Publikum machte mit, gesteigert wurde dies noch durch Scat-Gesangseinlagen, die auch noch beantwortet wurde. Bonita war sichtlich beeindruckt und gab sich in diesem Battle dem Publikum geschlagen. Fulminantes Finale des Stückes bildete sodann noch ein treibendes Harpsolo. 6:35 Minuten geballte Energie.
Mit einer schönen gospelinspirierten Soulnummer „Never Let Me Go“ wurde das Publikum etwas heruntergekocht, um dann wieder angeheizt zu werden. Ein Gesangsintro zum Dahinschmelzen unterstützt vom seidigen Spiel Fabian Fritz` wurde jäh unterbrochen und „This Little Girl´s Gone Rockin“ brach wie ein Vulkan aus dieser kleinen Person hervor.
Die drei Zugaben unterstrichen das musikalische Spektrum der Band noch einmal sehr deutlich, schöner Soul, smoothy dargeboten sowie treibendes Oh-Yeah-Feel-Good- Feeling mit Mitklatsch-Garantie. Ein unglaublich intensives Konzerterlebnis neigte sich nach über zwei Stunden reiner Spielzeit seinem Ende entgegen. Aber die Party ging noch im Foyer des Vier Linden mit Daddy To The Rescue, einer Rock´n´Roll Kappelle aus Holland, weiter.
B.B.& the Bluesshacks sind nicht ohne Grund Deutschlands beste R´n`B- Band, denn sie unterstreichen immer wieder ihr Entwicklungspotenzial, ohne ihre Wurzeln im Blues zu vergessen und wieder und wieder auf sie zurückzugreifen und –zukommen.