Europe Blues Train am 16.09.2017 in Bruchhausen-Vilsen


Über ein ganz besonders Erlebnis möchte ich heute berichten. Die Veranstaltungsreihe Europe Blues Train Festival organisiert von Birgit Bogner machte Station in Bruchhausen-Vilsen.

Es gab handgemachte, behutsam batteriebetrieben verstärkte Musik für ein kleines, um so mehr begeistertes Publikum in einem Waggon der Museumseisenbahn zwischen  Bruchhausen-Vilsen und dem Heiligen Berg. Erwartungsfroh versammelten sich mit mir ca. 25 Musikliebhaber auf dem Bahnsteig des historischen Bahnhofes für diese besondere Fahrt. Diese enterten den Personenwagen, der von einer kleinen historischen Diesellok der Firma Krupp aus dem Jahre 1941 gezogen wurde. Eine Band formierte sich am rechten, die andere am linken Zugang des Waggons. Die Zuhörer machten es sich auf den mit rotem Kunstleder bezogenen asketisch anmutenden Sitzbänken bequem. Eine tolle Atmosphäre zauberte als erstes die Charlie Slawik Revue in den Wagen. Ein rot leuchtendes Harp-Mikro diente dem Frontmann sowohl als Gesangsmikro, sowie zur Verstärkung der sehr gut gespielten Harp. Slawik nahm schon an der Internationalen Blues Challenge IBC in Memphis teil. Seine Mitmusiker saßen hinter ihm, Jiří Maršíček an der Gitarre (zu ihm später mehr), Adam Nohavica am Bass, sowie ausBudapest stammend Csendes Csaba an der Snare und Fensterrahmen-Holz.

Die Fahrt begann und Slawik legte los. Sehr schön knackige Blues-, Swing- und DooWoop-Songs begeisterten die Zuhörer und zauberten ihnen eine Lächeln in die Gesichter.

Nach einer 30- minütigen Fahrt durch die hügelig waldige Umgebung von Bruchhausen- Vilsen, angekommen am Heiligen Berg, wechselten die Lok und die Bands. Nun bauten sich Ginger Blues auf: Jessie James Gordon aus Perth in Australien, Jan Hirte (g) und Dorian Gollis (Kontrabass). Mit Unterstützung der Lokpfeife ging es zur Freude der Zuhörer los: Halleluja, I Love Him So, der Ray Charles Klassiker passte zum Beginn der Rückfahrt. Jessie Gordon begeisterte mit einer wunderbar glockenklaren, facettenreichen Stimme, die aber auch mit ganz viel rauchig schwarzem Bluestimbre geschwängert ist. Auch die Ukulele durfte passenderweise nicht fehlen. Immer wieder unterstützte die Lok-Pfeife die Musikdarbietung. Ein tolles Zugfahrerlebnis endete am Zielbahnhof mit dem St. James Infirmary Blues.

 

Eine Stunde später ging es dann im Alten Gaswerk weiter. Gerade erst in diesem Jahr endgültig fertig geworden, präsentiert sich diese Location als idealer Veranstaltungsort für Konzerte. Eine tolle Bühne mit schönem Licht und perfektem Sound durch Markus Meyers Veranstaltungstechnik.

Hier begann Ginger Blues, nun in voller Besetzung, d.h. noch mit Matthias Falkenau an Piano und Orgel. Jessie Gordon verzauberte die Zuhörer mit ihrem Gesang und ihrer Bühnenpräsenz. Einfach wunderbar! Leider schienen die Mitmusiker noch nicht so perfekt aufeinander eingespielt zu sein. An einigen Stellen wirkte es fahrig und out of tune and time. Der Begeisterung der  Zuhörer tat das aber keinerlei Abbruch. Shake that Thing, Titelsong der Scheibe Berlin Nights, groovte und die Sängerin und Frontfrau animierte alle zum Mitsingen, bei 29 Ways die Band zum mehrstimmigen Backgroundgesang.

Nach einer kurzen Umbaupause folgte die Charlie Slawik Revue auf der Bühne. Mit Mellow Down Easy wurde die Richtung gleich klar gemacht. Da steht ein Harpspieler als Frontmann, der seine Einflüsse allem Anschein beim großen Little Walter sieht. Lonesome Train, mir bekannt von dem leider schon viel zu früh verstorbenen Lynnwood Slim, wartete mit einem sehr schönen Soundeffekt auf – die Harp erzeugte das typische Zugpfeifen. Das Musikerlebnis prägte aber nicht nur der versierte Mundharmonikaspieler, sondern auch die groovig eingespielte Rhythmussektion mit Adam Nohavica am Bass (Basssolo in Up the Line), sowie Csendes Csaba am Schlagzeug.

Es wurde auch funky mit Get of my live Woman. Hier konnte Jiří Maršíček nicht nur sein Können an der Gitarre beweisen, sondern er offenbarte auch sein gesangliches Talent. Im letzten Teil ließen es die Jungs so richtig krachen: In einer unglaublich langen, zwanzig minütige Boogie-Variation band Slawik nicht nur Jessie Gordon singend und tanzend in seine Performance mit ein, sondern auch andere Zuschauerinnen. Sehr zur Freude aller Zuschauer!

Das grandiose Finale des Abends stellte die große Abschlusssession dar. Jessie Gordon Every Day I Have The Blues singend, Jiří Maršíček  in seinem Solo alle großen Gitarristen dieser Stilistik zitierend: B.B. King, Hollywood Fats, Junior Watson. Jan Hirte an der Gitarre war ganz  in seinem Element, wie  sich Matthias Falkenau an der Orgel verausgabte. So ging ein toller Konzertabend und eine grandiose Veranstaltung organisiert durch Birgit Bogners Europe Blues Train und Patrick Gehrke vom TourismusServiceBüro der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen zu Ende.

 

 


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