Text: BK

Piano Blues at it’s best – The Sirens Records präsentiert neue Alben von Erwin Helfer „Last Call“ und Barrelhouse Chuck „Remembering the Masters“:

Ist es nicht schön, dass sich nicht nur die Großen durchsetzen? Auch die kleineren haben Chancen, wenn sie etwas Besonderes bieten. Vor einigen Jahren hatte ich das Vergnügen Steven Dolins kennenzulernen. Er ist Gründer, Betreiber und Mastermind des berühmten und feinen Chicago Labels The Sirens Records. Verschrieben hat sich Steven seit seinen frühen Jahren allem was Tasten hat und von großen Musikern des Blues, Boogie Woogie und Jazz gespielt wird.

Gegründet hat er sein Label in 1975 nachdem er bereits in seinen frühen Jahren den Pianisten Erwin Helfer veröffentlicht hatte. Zu den Musikern gehörten und gehören u.a. Willie Mabon, Sunnyland Slim, Jimmy Walker, Blind John Davis, Erwin Helfer, Pinetop Perkins und Barrelhouse Chuck – mithin die Elite der Chicago Blues Pianisten.

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(v. links Barrelhouse Chuck, Erwin Helfer, Steven Dolins)

Steven Dolins veröffentlicht auch zeitgemäße Gospel Musik. Dass Dolins eine große emotionale Nähe zu seinen Musikern und deren Arbeit hat, wird schon an der Studio- und Aufnahmetechnik deutlich – das sind keine Fünf Stunden Produktionen, die CDs sind qualitativ kaum zu schlagen und tatsächlich audiophil.

Sirens Records hat jetzt zwei neue CDs auf den Markt gebracht, die ich gern vorstelle. Neue Leckerbissen von Erwin Helfer und Barrelhouse Chuck. Ich bitte um Nachsicht, dass ich die die dritte neue CD Lift me Up – Chicago Gospel Keyboard Masters nicht rezensieren werde – mir fehlt der Zugang zur Gospelmusik.

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Erwin Helfer, Last Call (The Sirens Records SR – 5024, 2016)
Erwin Helfer wurde 1936 in Chicago geboren und interessierte sich bereits als Jugendlicher für klassische Musik. In einer Stadt wie Chicago ließ es sich wohl nicht vermeiden, daß er mit dem Blues in Berührung kam. Wer kann darüber besser berichten als Erwin Helfer selbst – auf dem Album erzählt er über sein Leben und seine Zeit (hörenswert!). Obwohl nun schon 80 Jahre jung, findet man Helfer immer noch in den Bars und Clubs Chicagos. Damit gehört er wohl zu den letzten großen Bluespianisten aus der Zeit in der in Chicago Hausparties zum Tagesgeschäft für Musiker gehörten. Entsprechend ist die Zusammenstellung der Tracks auf dem Album. Von „Make me a Pallet on the Floor“ über den „St. Louis Blues“ und „St. James Infirmery“ bis zu „Trouble in Mind“ reicht die Auswahl. Unterstützt wird Helfer u.a. von John Brumbach (Tenor Sax), Katherine Davis und Estelle Mama Yancey (beide Gesang). Es ist schnell zu verspüren, dass diese Ausnahmemusiker seit langer Zeit aufeinander eingespielt sind.

Die Stadt Chicago ehrte Erwin Helfer damit, dass sie 2006 eine Straße nach ihm benannte, den Erwin Helfer Way – das ist eine große Besonderheit in der Stadt mit unendlich vielen talentierten Musikern. Wer großartigen historischen Klavierblues gespielt von einem Meister seines Fachs sucht und sich an einer Bandbreite von Klassikern des Blues und Boogie Woogie begeistern kann, sollte dieses Album in seine Sammlung aufnehmen.

Barrelhouse Chuck, Remember the Masters (The Sirens Records, SR – 5025, 2016)

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Es ist sicher kein Zufall, dass Steven Dolins zeitgleich mit Erwin Helfers „Last Call“ ein Album mit Barrelhouse Chuck „Remembering the Masters“ aufnahm. Barrelhouse Chuck repräsentiert die nächste Generation der Chicagoer Bluespianisten. Er lernte direkt von den großen Meistern wie Little Brother Montgomery, Pinetop Perkins und anderen. Er spielt seit Jahren mit Erwin Helfer und hat die Möglichkeit genutzt, die Stile der Vorgänger zu studieren und seinen eigenen Stil zu entwickeln. Inzwischen gehört er selbst zu den herausragenden Chicago Blues Pianisten.

Er hat sich mehr dem zeitgenössischen Blues zugewandt. Das sieht man auf dem folgenden Foto sehr deutlich.

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Sollte jemand die Musiker nicht kennen, helfe ich gern aus. Chuck spielt sein Piano und singt dazu, was er auch kann ganz prima kann. Als Mitmusiker auf dem Album standen ihm der hervorragende Blues Gitarrist Billy Flynn und Scott Grube (Piano) zur Seite. Lluis Coloma, der bekannte spanische Blues Pianist steht ebenfalls auf der Liste der Musiker – mir ist er bekannt aus der Zusammenarbeit mit Gordon Beadle (Sax Gordon) an dessen erstem Jazz Album „Racan Rol“ (auch sehr hörenswert). Barrelhouse Chuck gelingt es auf seinem Album die Stimmungen der jeweiligen Zeit einzufangen. Ob es die „Homage an Pinetop Perkins“, der „Vicksburg Blues“ oder der „ChuckaBilly Blues“ ist, Chuck klingt authentisch und glaubwürdig.

Wenn ich die beiden Alben vergleichen soll, muss ich passen. Beide sind auf ihre Art einzigartig, Barrelhouse Chucks Album ist eher zeitgenössisch – aber das findet der Hörer schnell heraus. Große Kauftipps sind beide.

Hier noch das Video eines Auftritts von Erwin Helfer, Barrelhouse Chuck und Lluis Coloma (der Track hat mit den vorliegenden Alben nichts zu tun, zeigt aber, mit welchem Spaß die drei spielen):

 

(BK)


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