Interview und Bilder: Mario Bollinger

Paul Batto ist ein in Europa weitgereister Musiker, der seinen Ursprung in Südosteuropa hat. Geboren in Slowenien lebt er heute in der Tschechischen Republik, von wo aus er seiner Konzertreisen in Europa startet. Zum Konzert am 25. Januar 2014 in der Bruckmühler Auszeit gibt es zwei Novitäten: Erstens ist die Auszeit als Restaurant und Musikbühne neu konzeptioniert und zum zweiten bringt Paul Batto seine neue CD „Lonesome Road“ mit.

bühne auszeit

Die Auszeit ist ein ursprüngliches Eßlokal in Bruckmühl zwischen München und Rosenheim. Der Betreiber Mario Oksas hat aber das Lokal Schritt für Schritt in ein Lokal mit Liveveranstaltungen umgeprägt. Viele lokale und internationale Musiker haben hier Konzerte gegeben. Der neueste Coup ist aber die optische Umgestaltung des Lokals und der Speisekarte. Der Look des Lokals ist moderner. Glas, Stein und blaues Licht prägen die Optik. Für die Musiker gibt es jetzt einen besser ausgewiesenen Bühnenteil mit Bühnenlicht und einem schwarzen Vorhang als Hintergrund. Die Speisekarte ist fokussierter und der neue Mann hinter der Theke Muhammer Gül ist an diesen positiven Änderungen sehr beteiligt gewesen. Die Tische sind kleiner geworden, locker in Gastraum verteilt und bieten für 40-60 Personen Sitzplätze. Der Gastraum kann bei der Show jetzt abgedunkelt werden, die alten UFO-Lampen sind verschwunden und Muhammer besteht darauf, dass während der Show Ruhe herrscht und selbst die Espressomaschine hat zu schweigen. Nach wie vor lockt Mario Oksas mit freiem Eintritt zu den Konzerten und Kabaretts, jeder Gast kann aber während der Show seine Anerkennung durch eine Spende in den Hut Ausdruck verleihen. Paul Batto war bereits letztes Jahr Gast von Mario Oksas und als er das Lokal betrat, sagte er spontan und begeistert: Das ist aber nicht das Lokal, wo ich schon mal gespielt habe!

Team "Auszeit"
Team „Auszeit“

In der Auszeit haben auch schon Musiker wie „Sir“ Oliver Mally aus Österreich, Bastian Semm mit seinem CASH – Singer-of-Songs-Programm auch die Kabarettisten Franziska Wanninger und Helmut A. Binser ihr Programm gezeigt.

Vor der Show hatte ich auch Gelegenheit, mit Ondra Kriz (Ondřej Kříž) zu sprechen, der Paul Batto auf vielen seiner Konzerte auf dem Klavier begleitet. Ondra Kriz ist mit seinen 26 Jahren bald halb so jung wie sein Partner Batto. Beide haben sich in Ondras Heimatstadt Tabor südlich von Prag getroffen, als Paul dort vor einigen Jahren hinzog. Neben Paul Batto begleitet er noch den Bluesmusiker Rene Trossman und unterrichtet Kinder am Klavier. Sein Konservatoriumsstudium hat er zu Gunsten eines frühen Musikerberufs aufgeben, was ihn aber nicht daran hindert, sein Wissen und Können unkonventionell an Klavierschüler weiterzugeben und damit seinen Lebensunterhalt mitzuverdienen. Sie müssen natürlich das Basiswissen erlernen, aber das nicht zwangsweise an den alten Komponisten wie Bach oder Mozart. Er erlaubt seinen Schülern zu spielen, was ihnen gefällt und erhält hier auch die Unterstützung der Eltern. Daneben macht er z.B. 120 Shows im Jahr mit Paul Batto oder Rene Trossman. Die Musikszene in der Tschechischen Republik entwickelt sich stetig, die wahre Musikszene spielt sich aber in den alten Theatern und Kulturhäusern ab, die es noch reichlich aus alten Zeiten gibt. Die Pubs in Prag dagegen werden vornehmlich von Touristen frequentiert und sind nicht das Ziel von Musikern wie Ondra Kriz oder Paul Batto. Auf die Frage, ob sich Auftritte wie in der Auszeit mit einer Anreise von 500km für Ondra rentieren, antwortet er: „Nun, ich spiele nicht nur für das Geld, sondern auch für den Spaß“. Er selber hat zwar Deutsch in der Schule gelernt, aber leider mittlerweile durch das wesentlich häufiger gebrauchte Englisch fast alles wieder vergessen.

kriz

Paul Batto und Ondra Kriz brauchten kaum 30 Minuten zum Aufbauen, dann ging das Konzert auch schon los. Paul Battos eindringliche Stimme, eine Resogitarre, seine Stompbox und Ondras Klavier sorgen gleich für einen schnellen Opener der Show. Anfänglich herrschte noch etwas Unruhe im Raum, aber als Paul Batto einen sehr leisen Song mit spanischen Elementen anstimmte, herrschte sofort gespannte Ruhe im Publikum. Während Paul Battos Wesen von Stimme und Spiel geprägt ist und er ansonsten ein sehr ruhiger Musiker auf der Bühne ist, lebt Ondra auch körperlich in seiner Musik. Körperhaltung und Gestik unterstreichen seine Aussage: „Ich spiele nicht nur für das Geld sondern auch für den Spaß“. Paul Batto hat mir dann hinterher erzählt, dass er auf der Bühne nicht allzu viel von sich preisgibt. Bei dem Song „Garden of Love“ erzählt er aber dann doch von seiner neuen Heimatstadt in Südböhmen, einer Kirche, eine Haus dahinter und dem Garten dazu. Bei einem Pianosolo von Ondra läßt sich das Publikum dann doch mal zu einem Szenenapplaus hinreisen. Paul Batto beschließt nach 2 Zugaben den Abend mit Amazing Grace, einem alten Kirchenlied, das einen Sinneswandel eines ehemaligen Sklavenschiffkapitäns beschreibt. Als allerletzte Zugabe geben Paul Batto und Ondra Kriz ihre Version von „Moon River“, was einmal mehr die Bandbreite von Paul Battos Gesang unterstreicht. Einen besseren Schlussakkord kann mit sich nach dem Musikprogramm der Beiden fast nicht vorstellen.

batto

Nach dem Konzert stand mir auch Paul Batto zu einigen Fragen für die Wasser-Prawda zur Verfügung

MARIO BOLLINGER: Woher kommst Du und wo geht es hin?

PAUL BATTO: Ich weiß es nicht. Ich betrachte das Ganze als Tomatenpflanzen und -ernten. Ich bin jetzt 47 Jahre alt und plane nicht mal 6 Monate voraus. Ich bin Großvater geworden, ich kümmere mich um meine Kinder und es macht mir viel Spaß. Ich bin in Slowenien geboren, mache seit dem 18. Lebensjahr Musik, begann zu singen und bediente mich der afrikanisch-amerikanischen Gospeltraditionen und der Art, wie in Kirchen zu singen. Wurzeln habe ich keine. Ich bin nicht ein musikalischen Familie aufgewachsen, es gab keine Schallplatten und ich hatte nur das Radio als Quelle. Ich war lediglich ein Monat auf einer Musikschule. Musik faszinierte mich schnell und ich kam dann sozusagen über die Hintertür zur Musik. Ich habe Slowenien mit 20 Jahre verlassen. Ich ging in die Schweiz, mache Spiritual Music, Blues, spielte in einem Jazztrio, in Big Bands. Ich machte viel verschiedene Musik und mache es noch, aber es sind immer Schaffensperioden. Es gibt viele Musiker, die viele Stile spielen, aber keinen Stil richtig rüberbringen. Ich mache das schon auch und für ein offenes Publikum ist das eine abwechslungsreiche Präsentation. Ich richte mich aber nicht nach dem Anspruch des jeweiligen Publikums, sondern mache einfach mein Ding. Und ich mache das in Perioden. In erster Linie spiele ich erst mal für mich. Die Bühne ist für mich immer noch ein sehr privater Bereich. Ich habe heute ein breites Spektrum und ich spiele das alles gerne.

MARIO BOLLINGER: Verfolgst Du auch andere Projekte?

PAUL BATTO: Eigentlich nein. Ich werde viel eingeladen, ich kann mit Big Bands singen. Ich wurde auch für Musicals wie Jesus Christ Superstar eingeladen zu singen, aber ich habe abgelehnt, da es Kraft kostet. Vor einem halben Jahr habe ich von einem Philharmonischen Orchester die Einladung angenommen, „Anatevka“ zu singen, aber im Wesentlichen habe ich nicht die Zeit und die Kraft, sowas zu verfolgen. Ein Orchester erfordert Proben und Aufwand, was ich nicht bereit bin aufzubringen, obwohl es immer eine gute Erfahrung ist. Ich habe daher gelernt, Nein zu sagen, um mich nicht in Dinge zu verlieren, die mir nichts bringen. Die meisten Leute mögen eigentlich die Musik, die von mir stammt. Ich schreibe ca. 90% aller Songs selbst und das ist für mich die ehrlichste Art und Weise, Musik nahezubringen. Ich kann mich hinsetzen, einen ganzen Abend Jazzstandards singen. Das ist sicherlich nett und aber der Effekt ist nicht der Gleiche, als wenn ich meine Songs singe.

MARIO BOLLINGER: Deine letzte CD “aint but one way” ist aus dem Jahr 2010. Deine neue CD heißt „Lonesome road” . Erzähl uns mehr darüber.

PAUL BATTO: Die CD ist eine reine solo CD und jetzt im Januar 2014 erschienen. Ich habe lediglich meine Stimme und meine Gitarre aufgenommen. Die letzte CD war von den Mitmusikern und Instrumente wie die Lapsteel Gitarre dominiert. Dieses Mal wollte ich nur ein Mikrophon und sonst nichts.

MARIO BOLLINGER: Welche Instrumente spielst Du?

PAUL BATTO: Ich spiele eine Republic Resonator Gitarre, ich benutze eine custom made Archtop Gitarre und eine hundert Jahre alte Parlor Gitarre. Sie ist auf dem Cover der neuen CD abgebildet. Diese Gitarren sind fantastisch und haben ein unendliches Sustain. Sie sind einzigartig und immer mit einer eigenen Stimme. Dann benutze ich noch eine Cole Clark aus Australien und habe ein sehr schöne tschechische Furch Gitarre. Viele Instrumentenhersteller kommen aus der tschechischen Republik. In der Gegend von Markneukirchen und aus der tschechischen Seite kommen Firmen wie C.F. Martin ebenso Höfner und Framus. Ich habe zwei Furch Gitarren und das sind Weltklasse Akustikgitarren.

MARIO BOLLINGER: Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Ondra Kriz?

PAUL BATTO: Wir leben in der gleiche Stadt Tabor, in die ich vor ca. 5 Jahren gezogen bin. Wir haben uns da getroffen und seit dem spielen wir zusammen.

MARIO BOLLINGER: Welche anderen Projekte verfolgst Du mit Ondra?

PAUL BATTO: Wir machen einiges zusammen, aber ich spiele auch gerne alleine, weil ich dann ganz andere Dinge tun kann. Mein Publikum mag mich solo genau so gerne, weil sie meine Stimme lieben und ich mich auf sowas konzentrieren möchte.

Paul Batto und Ondra Kriz
Paul Batto und Ondra Kriz

MARIO BOLLINGER: Wie posititionierst Du Dich und Deine Musik?

PAUL BATTO: Ich bin ein Singer/Songwriter, ich schreibe zu 90% meine Songs selber. Ich halte mich von Strömungen fern, verkehre kaum mit Bluesmusikern, werde deshalb manchmal als Musikanarchist bezeichnet und halte mich auch fern von Zirkeln. Ich mache halt einfach mein Ding und fühle mich nicht als ein Teil einer Szene. Manche Leute fühlen sich verwirrt, wenn ich mal den Stil wechsle, ich möchte einfach keinem Stil zugehören. Und ich liebe meine Freiheit.

MARIO BOLLINGER: Hast Du eine Message, welche Du Deinem Publikum nahebringen möchtest?

PAUL BATTO: Ich möchte keine Message rüberbringen, da sie politisch sein könnte und das möchte ich nicht. Ich halte es da wie Randy Newman, der nie einen selbstbeobachtenden Song über sich selbst schrieb. Alles was er geschrieben hat, hatte nichts mit ihm zu tun. Ich erzähle nicht viel und erkläre auch nichts auf der Bühne. Eine sehr introvertierte Art, Musik zu machen. Ich liebe ein Publikum, das gerne zuhört und nicht viel fragt. Ich antworte natürlich und man kann mit dem Publikum arbeiten, aber das ist nicht meine Art. Am Ende des Tages bin ich es, der da auf der Bühne ist und die Leute akzeptieren mich so.

MARIO BOLLINGER: Wenn Du einen Wunsch hättest, mit jemanden ein Konzert zu machen – wen würdest Du Dir wünschen?

PAUL BATTO: Ich habe da keine Wünsche

MARIO BOLLINGER: Was weißt Du von München?

PAUL BATTO: (Schweigt) – Ist Paulaner aus München? Ich habe ein oder zweimal im Hide Out gespielt. Ich kenne den ehemaligen Music Shop, Aber ich gehe auch nicht auf Großveranstaltungen wie Oktoberfest.

MARIO BOLLINGER: Du bist oft in den Niederlanden?

PAUL BATTO: Ja, ich bin mehrmals in Jahr für 3 bis 4 Wochen dort.

MARIO BOLLINGER: Auf der Facebookseite sind sehr viele holländische Einträge.

PAUL BATTO: Ja, ich bin da sehr beliebt. Ich wollte erst gar nichts auf Facebook machen, aber ich kann ja nicht mal meine eigene Webseite pflegen, daher habe ich angefangen, mehr auf Facebook zu machen, um schnell Dinge zu posten. Ja, Holland und Belgien sind sehr interessant für mich. Als ich in die Tschechische Republik gezogen bin, habe ich erst gar nicht viel da gemacht. Aber seit drei Jahren machen wir immer eine schöne Tour durch die Republik. Wir haben immer gute 100 Besucher in den Kulturhäusern und Theater, die es hier immer noch gibt. Ich spiele nie in Pubs, sofern mich keiner wirklich dazu einlädt. Es ist für den Künstler nicht sehr einladend, wenn die Gäste eigentlich nur wegen der Getränke aber nicht wegen des Künstlers kommen.

MARIO BOLLINGER: Was möchtest Du gefragt werden?

PAUL BATTO: Hm, was möchte ich gefragt werden? Frag mich das nächste Mal, ob wir zusammen Abendessen.

Mario, Mario und Paul
Mario, Mario und Paul

Paul Battos neue CD heißt „Lonesome Road“ und enthält 11 Songs aus der Feder von Paul Batto selbst. Im Gegensatz zur vorherigen CD spielte er diese CD komplett solo ein. Im Gespräch erwähnte Paul Batto, dass die vorherige CD zu sehr von den anderen Instrumenten wie z.B. einer Lapsteel dominiert war. Das wollte er hier grundlegend ändern. Ein Mikrofon, eine alte Parlorgitarre und seine eindringliche Stimme. Ein Konzept, das auch bei vielen anderen Musikern im Singer/Songwriter-Genre Anklang findet. Die Songs sind bewusst kurz gehalten, um nach seinen eigenen Angaben unnötige Wiederholungen zu vermeiden. So wurde das Material einer Stunde auf eine Schulstunde verkürzt. Wer mehr hören möchte, kann ja noch mal PLAY drücken.

Da die Kombination Stimme/akustische Gitarre nicht sehr viel Abwechslung bieten, klingen einige Songs sehr ähnlich ohne eine Spannung aufzubauen. Wesentlich interessanter klingen dann die Stücke, in den Paul Batto das Tempo erhöht oder abwechslungsreiche Rhythmen spielt. Ein solcher Titel ist “Hey, Hey here comes a new day”. Auch ungewöhnliche Einflüsse wie spanische Melodien lassen den Zuhörer aufhorchen. Auf dem Konzert in der Auszeit waren es dann genau Stücke wie „JJ“ oder „Garden of Love“, die das Publikum verstummen und aufmerksam zuhören liesen. In „Storm’s comin‘“ blitzt er dann wieder durch, der Blues von Paul Batto: Coole Stimme, tolles Fingerpicking auf einer ungewöhnlichen Parlorgitarre. Im Titelsong „Lonesome Road“ zeigt Paul Batto, dass er auch ein Könner auf der Resogitarre ist. Trotz der Instrumentierung ist es kein typischer Bluessong, bedient sich lediglich an Fragmenten des Blues und kombiniert sie zu einem typischen Song dieser Solo-CD von Paul Batto.

Paul Batto: Lonesome Road
Paul Batto: Lonesome Road

Paul Battos Tourtermine

Freitag, 28. Februar galerka, novy jicin, CZ

Freitag, 7. März culturcafe m, dohna, Germany

Samstag, 8. März Hotel Seeburg Lucerne,Switzerland

Dienstag, 8. April kladno

Samstag, 19. April holubnik, luze, CZ

Mittwoch, 23. April jazzrock cafe, plzen, CZ

Freitag, 25. April blue note, dresden, Germany

Samstag, 26. April bluesexchange, prague,CZ

Sonntag, 27. April novosed.n.nez. CZ

www.batto.org

https://myspace.com/ondrakriz

Das Interview erschien als Erstes am 24.02.14 in der Wasser-Prawda http://wasser-prawda.de/musik/item/paul-batto-und-die-neue-auszeit , das CD Review unter http://wasser-prawda.de/item/paul-batto-lonesome-road und ab 20.3.14 auch im monatlichen Wasser-Prawda Magazin zum Download http://wasser-prawda.de/wasser-prawda-magazin/wasser-prawda-magazin-archiv oder als Abo http://wasser-prawda.de/wasser-prawda-magazin/wasser-prawda-magazin-abonnieren

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