Ein Tonträger als Stargast – 30 Years Blue Monday Blues Jam in Osnabrück


Das Ereignis, über das ich berichten möchte, ist nun bereits fast zwei Wochen her. Alle Schreib- und Annäherungsversuche scheiterten bislang an der Frage: Worüber schreibe ich am besten? Sollte ich den Tonträger thematisieren, die Veranstaltung zur Präsentation des selbigen oder die Historie der Blue Monday Blues Jam in Osnabrück beleuchten. Ich versuche allen drei Blickwinkeln gerecht zu werden.

1986 begann im Osnabrücker „Pink Piano“ eine Ära in der deutschen Bluesszene. Die Pink-Piano-Session oder auch Blue Monday Blues Jam, von Christian Rannenberg nach amerikanischem Vorbild ins Leben gerufen, prägt von diesem Tage an die deutsche Bluesszene.

Aus Anlass dieses dreißgjährigen Jubiläums entstand an drei Tagen im August 2016 im Studio „Mühle der Freundschaft“ in Bad Iburg die CD „30 Years Blue Monday Blues Jam“, die am 30.12.2016 im Saal der Lagerhalle Osnabrück vorgestellt wurde. Die Songs auf dem Tonträger sind allesamt Eigenkompositionen von Tommy Schneller, Jimmy Reiter, Kai Strauss, Tom Vieth, Burkhard Ellger, Gerd Gorke und natürlich von Christian Rannenberg sowie Angela Brown.

Es ist fast nicht möglich allen 19 Stücken auf der CD schreibend Gehör zu verschaffen, einige sollen aber in den Fokus gestellt werden, da sie so exemplarisch für die einzelnen Künstler stehen. Rockig, mit fettem Bläsersatz, Dieter Kuhlmann (as), Tommy Schneller (ts), Jürgen Wieching (bar), beginnt diese CD mit dem Song „Jammin´ On A Monday Night“ von Tommy Schneller geschrieben. Eine schön gesetzte Hookline treibt das Stück voran und man fühlt sich sofort in den Montagabend katapultiert. Es ist einer der drei Songs, die das zu feiernde Ereignis beschreiben. Eine wichtige Größe dieser Osnabrücker Traditionsveranstaltung ist neben Christian Rannenberg auch immer Angela Brown gewesen, die den zweiten und sechsten Song beisteuert. Die Stücke beginnen mit der für Christian Rannenberg so typischen Blues- und Boogiespielweise. Ihre prägnante Stimme und das einerseits treibende (Bootje Woohtje Baby) als auch das  schleppende (Bern´s Blues) Schlagzeug von Alex Lex lassen förmlich die Bilder eines verrauchten Juke Joints vor den Augen des Zuhörers entstehen. Bedienen die ersten beiden Songs das klassische Bluesgenre, nimmt uns Jimmy Reiter mit seiner Kompostion „Experienced Loser“ von den ausgetretenen Bluespfaden mit weg (Manfred Huesmann mit an der Gitarre), auf die wir durch „I Got A Feeling“ komponiert und gesungen von Chris Rannenberg wieder zielsicher einbiegen.

Und dann darf eine Session-Institution natürlich nicht fehlen: Der einzigartige Tom Vieth mit seinem unverwechselbarem Shuffle-Gitarren-Ton und seiner markanten Stimme, nimmt uns in den Montagabend mit. Kai Strauss macht damit weiter, in dem er „Down At The Blues Jam“ sehr schön beschreibt, wie schön es ist, nach einem harten Arbeitstag montags (jeden (!) Montag) in der Osnabrücker Lagerhalle den Musikern zu lauschen, die den Blues zelebrieren und an der Bar zu stehen und seinen Drink zu nehmen. Dieses Thema nimmt auch Jimmy Reiter in „Playing The Blues On A Monday Night“ auf. Dies ist ein typisches Reiter-Stück mit einem so interessant gesetzten Turnaround, das hat Wiedererkennungswert. Auch die Münsteraner Rainer Achterholt, Gerd Gorke und Burkhard Ellger steuern ihren Beitrag zu dieser CD bei. Ellger mit einer sehr eigenen Version des Stagger- Lee-Themas, Gerd Gorke mit einem rauen Boogiethema, in dem sich die Harp mit der Slide-Gitarre von Rainer Achterholt einen schönen Schlagabtausch liefern. Rainer Achterholt ist es dann auch, der mit seiner Komposition „Rainer´s C-Moll Swing“ die musikalische Bandbreite der Session unter Beweis stellt. Bei diesem Stück ist es auch, dass die nächste Generation der Monday Blues Jam- Musiker ihr Können unter Beweis stellt, am Klavier Nico Dreier. Mit jeweils einem Song sind dann auch Toscho Todorovic (If I Ever Get Lucky von Kai Strauss komponiert) und Andre Werkmeister, hier sehr markant „No More Walking In The Rain“ singend, vertreten.

Wie bereits genannt sind alle Generationen von Musikern, die diese Session-Institution ausmachen, auf der CD zu hören. Beginnend mit dem Initiator Christian Rannenberg, der die dreißig Jahre der Session entscheidend prägte. Aus dieser Generation stammend natürlich auch Toscho Todorovic, Tom Vieth, Gerd Gorke, Burkhard Ellger und Rainer Achterholt, sowie Angela Brown. Diejenigen, welche dann seit den beginnenden Neunzigern die Sessionbühne betraten, wie Kai Strauss, Tommy Schneller, Oliver Geselbracht, später auch Jimmy Reiter, Alex Lex, Mo Fuhrhop  und Andre Werkmeister, prägen mit ihrem eigenen Stil und spielerischen Habitus im besonderen Weise heute auch die deutsche Bluesszene. Und man kann hoffnungsvoll sein, dass die nächste Generation der jetzt Anfang-Zwanzigjährigen schon in den Startlöchern steht: Dominik Walczuch, Malte Wollenburg, Lucas Lehmeyer und Nico Dreier.

Abschließend sei noch der Initiator dieser CD, bzw. der Präsentation am 30.12.2016 in der Osnabrücker Lagerhalle, sowie das sichere Bassfundament der Session genannt: Udo Hartmann. Ohne ihn hätte der Hörer diesen Tonträger nicht in der Hand. Denn diese CD ist nicht über den Handel zu beziehen, sondern nur direkt über ihn persönlich, bzw. über die Seite www.bluemondaybluesjam.de .

Wie ich bereits andeutete, sollen auch ein paar Worte zur CD-Präsentation, die am 30.12.2016 in der Osnabrücker Lagerhalle stattfand, fallen. In den letzten Jahren gab es immer Jahresabschlussveranstaltungen mit speziellen Stargästen. Diesmal war der Stargast die CD. Und sie wurde gebührend gefeiert. Eingeheizt wurde dem Publikum durch die jüngste Generation der Musiker: den Bluesanovas. Kai Strauss führte sodann auf der Bühne souverän durch den Abend, alle Musiker traten so auf, wie sie im Studio den jeweiligen Song eingespielt hatten. So gab es einige Wechsel auf der Bühne, die aber sehr schnell abliefen. Ein unglaublich abwechslungsreiches 90- minütiges Programm wurde dem Zuhörer geboten. In gewohnter Form wurde dann im Anschluss auch noch gejammt. Nach unglaublich energetischen vier Stunden ging ein denkwürdiger Bluesabend zu Ende.

Bilder Torsten Rolfs und http://www.bluemondaybluesjam.de/

Bestellbar bei Kontakt: Udo Hartmann blues@bluemondaybluesjam.de


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