Landon Spradlin: No More Blue Mondays


Als ich die CD zugeschickt bekam wusste ich zunächst nichts mit ihr anzufangen. Sieht so eine Blues CD aus? Auf dem Cover abgebildet ein fröhliches Kind in Sonntagskleidung auf einem alten Friedhof mit einer Kirche im Hintergrund. Das Backcover zeigt das Mädchen vor dem Eingang zur Kirche stehend. Das Coverbild ist in grau gehalten nur das Mädchen ist farbig abgebildet – offenbar ein Hinweis darauf, dass unsere Kinder unsere Hoffnung sind.

Die Innenseite der CD gibt die notwendigsten Auskünfte – Musiker, Aufnahmeort und -beteiligte sowie die unvermeidlichen Special Thanks. Sonst nichts – kein Foto von Landon Spradlin oder seiner Band.

Aufgenommen wurde das Album in Brighton UK in 1995, in 12/2016 liegt jetzt ein Reissue vor. Ein solches erleben i.d.R. nur erfolgreiche und vergriffene Alben wenn sich die Plattenfirma aus der Nachverwertung ein gutes Ergebnis verspricht.

Als nächstes habe ich zu Landon Spradlin recherchiert. Das ging schnell, da wenig Informationen verfügbar sind. Hier ist zumindest eines der wenigen Fotos die ich von ihm finden konnte (scheint recht aktuell zu sein).

Der 1953 in New Orleans geborene Gitarrist und Sänger Landon Spradlin lebt in dem 1300 Einwohner Dorf Gretna in Virginia und ist dort als Pastor tätig. Er gilt als der Preachin‘ Blues Man.

Er war als Straßenmusikant unterwegs, spielte in Bars und Clubs sowie im Madison Square Garden in NYC. 2009 gewann er mit seiner Band die Piedmont Blues & Preservation Society’s Blues Challenge. Auf der Bühne stand er mit den Kentucky Headhunters, Lee Roy Parnell, Anson Funderburgh, Buddy Whittington, Rick Derringer, Cyril Neville, den Nighthawks und anderen Spitzenmusikern.

Tony Cummings von „Cross Rhythms“ und Jimmy Wallace von „Dallas International Guitar Show“ loben Landon Spradlin in höchsten Tönen für sein Gitarrenspiel und seine Qualitäten als Blues Shouter.

Daraufhin habe ich mir das Album das erste Mal angehört. Die Rezensenten haben Recht, der Mann spielt eine sehr klare unverkrampfte Gitarre und astreinen ursprünglichen Blues. Seine Stimme ist kräftig und volltönend.

Wer sich die Liste der Songs auf dem Album durchliest, wird sich nicht sehr wundern, dass die Titel tief im Glauben des singenden Predigers verwurzelt sind: „I got Jesus Name“, „My God“ oder „My friend Jesus“ gehen ja weit über „Oh Lord, won’t you buy me a Mercedes Benz?“ hinaus.

Mit „My Help“ optimistisch und mitreißend von einem fröhlichen Gospelchor gesungen, wird das Album beendet.

Es bewegt sich also in der gesamten Bandbreite des Südstaatenblues. Der für mich stärkste Song ist gleichzeitig der Titelsong: „No More Blue Mondays“.

„No More Blue Mondays“ ist das ungewöhnlichste Album das ich seit langer Zeit rezensiert habe. Es ist ohne Frage faszinierend. Für diejenigen, die Musik hören ohne stark auf Texte zu achten ist es eine CD die von Blues bis Gospel gut gemachte Südstaatenmusik bietet. Für diejenigen die selbst fest im Glauben verankert sind ist es eine neue Erfahrung zutiefst religiöse Texte in diesem Musikformat angeboten zu bekommen. Für uns alle ist es eine Möglichkeit etwas tieferen Zugang zur Gedankenwelt vieler Menschen in den Südstaaten der USA zu finden.

 

Label:

Kle-Toi Records ‎–      CT0023200

Format:                       CD, Album

Land:                          US

Veröffentlicht:           2000

Genre:                         Blues

Trackliste

1 Seminary 3:59
2 No More Blue Mondays 5:56
3 First Fruits 6:25
4 Drift Away 4:05
5 I Got Jesus Name 2:42
6 My God 4:07
7 He Is There 5:31
8 My Friend Jesus 4:27
9 My Help 6:50

 

(BK)

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