Sivert Høyem – Lioness


Für das von MunichTalk favorisiertes Genre Blues eher ein ungewöhnlicher Künstler – Sivert Høyem aus Norwegen. Aber als Referenz für gute Münchner Konzerte haben wir uns doch mal seiner CD „Lioness“ angenommen, da er  am 11.10.16 im Münchener Strom gastiert.

Sivert Høyem ist laut Befragung von norwegischen Freunden dort ein bekannter Star, während er in Deutschland mehr ein Insider ist. Mit seinem Album „Lioness“ hat er nach dem langsamen Absterben seiner Band Madrugada einen Solopfad beschritten. Das Album, das auf der Lioness Spring Tour 2016 durch Deutschland bereits vorgestellt wurde, erschien im Januar 2016 bei Hektor Grammofon und wird über Rough Trade angeboten. Es hat 10 Songs und kommt mit einem kleinen Songtextbooklet. Alle Songs stammen vom Sänger selbst. „My thieving hearts“ hat er zusammen mit Christer Knutsen, einem seiner Mitmusiker, geschrieben. Seine Musik und der Sound des Album erinnern start an Chris Isaaks „Blue Hotel“, beim ersten Anhöhen überwiegt eine depressiver Eindruck, sehr monotoner Gesang, ein Sound, wie man sich seinen eigenen Widerhall in einem norwegischen Fjord und auf einem Fjell vorstellt. Erst beim wiederholten Hören beginnt man die Nuancen der Songs aufzuspüren und entdeckt doch das eine oder andere interessante Potential. Leicht kann man dann die Referenzen finden, wo die Songs als einen gewissen Ursprung in der Musikwelt wurzeln könnten.

Während beim Blues die Spannung in der Dynamik eines 12-taktiken Schemas und in den aufreizenden Texten liegt, erzeugt Sivert Høyem seine Spannung in seiner abgrundtiefen Coolness und kontrollierten Stimme. „Fool to your crown“, als eine melodische Nummer darüber, ob man sich als Musiker zum Narren des Publikums macht, hat Hitpotential. Selbstverständlich lassen sich hier auch andere Parallelen im Leben finden. Die musikalische Fortführung ist „Lioness“  und beschreibt die Abgrenzungen in einer Liebe zu einer überstarken Person. „My thieving heart“ ist ein Duett mit Marie Munroe und wie auch nicht anders zu erwarten eine Liebesgeschichte. Mein Favorit auf dem Album ist aber „V-O-I-D“,  die Leere der Dunkelheit als Dein bester Freund, bis man eines Besseren belehrt wird – Errettung ist möglich „Oh, Spider“, ein mächtig mit Hall unterlegter Song, welcher die ganze Bandbreite von Siverts Stimme zeigt: Hohe Falsettstimme, langgezogenen und melodische Gesangpassagen beschreiben den Kampf der Spinne oder der Gefühle gegen die Schwerkraft. „Silences“ erinnert stark an Songs, Schlager oder Balladen der 50er Jahre, wie sie z.B. Roy Orbison gesungen hat: Viel Hall, eine twangy guitar aus der Unendlichkeit des Hallraums und dazu Siverts kristallklare Stimme, die sich entweder scharf in Herz scheidet oder mit einem warmen Tremolo der Zuhörer komplett in Gefühle versinken lässt. Sivert Høyem versteht es, mit Texten zu spielen. Er spielt im Englischen mit Worten, deren Sinn sich nicht sofort erschließen und daher kann jeder seine eigene Interpretation der Texte anstellen. Meine Verständnis von den Texten kann ein völlig Anderes sein.

Auch wenn der Pressetext davon spricht, dass dieses Album „Lioness“ im Gegensatz zu den vorherigen Alben „atmet“, muss man wie ein Rettungssanitäter sehr genau hinhören, um es zu fühlen. Aber man wird mit einem starken Zeichen des Lebens belohnt. Starke Stimme, starke Songs und starke Gefühle.

Wir sind auf seine Konzertreihe gespannt, wie Sivert Høyem seine Songs in einem langen Konzert präsentiert.

http://live.siverthoyem.com/

»Lioness« Autumn Tour 2016

03.10.2016 A-Wien, Szene

04.10.2016 D-Heidelberg, Halle 02

05.10.2016 D-Düsseldorf, Club im Capitol Theater

06.10.2016 D-Berlin, Huxley’s

09.10.2016 D-Hannover, Musikzentrum

10.10.2016 D-Leipzig, Täubchenthal

11.10.2016 D-München, Strom

12.10.2016 CH-Winterthur, Salzhaus

13.10.2016 CH-Bern, Bierhübeli

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