Marc Broussard und Einblicke in die finanzielle Welt eines Musikers


Interview: Mario Bollinger

Bilder: Christophe Rascle

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Wie bereits berichtet gastierte Marc Broussard am 25.6.15 im Münchener Backstage Club. Marc Broussard stellte sich als professionell und kommerziell effektiver Musiker dar, der sehr bewusst Kosten kontrolliert und seine Mittel sehr geschickt einsetzt. Auch konnten wir in Marc Broussard einen Musiker entdecken, der die Natur, die Kultur und Traditionen von Louisiana respektiert. Wir trafen Marc Broussard, als er gerade im Backstagebereich seine Gitarre neu besaitete und sich durch das Interview überhaupt nicht stören hat lassen.

MunichTalk: Hallo Marc Broussard, herzlich willkommen in München. Was kennst Du schon von München?

Marc Broussard: Ähm, nichts. Wir hatten  aber letzten Abend ein leckeres italienisches Abendessen.

MT: Das ist OK, wir sind ja quasi Norditalien. Hattest Du Gelegenheit, durch Bayern zu reisen und Dir was anzuschauen?

Marc Broussard: Nein, wir sind direkt von Houston eingeflogen.  Ich habe 4 Kinder und eine Frau zu Hause und die möchten mich immer so schnell wie möglich zurückhaben. Daher verschwende ich nicht viel Zeit an den Spielorten.

MT: Du kommst aus Louisiana. Was ist das Beeindruckenste aus Louisiana?

MB: Ich glaube unsere Kultur ist das Beeindruckenste. Das ist eine Kultur, welche älter als die Amerikanische Verfassung ist. Meine Vorfahren kamen ca. 1750 nach Louisiana und der spanische und französische Einfluss ist immer noch sehr tief.

MT: Deine Vorfahren waren französisch?

MP: Korrekt

MT: Wie wichtig sind Louisiana und seine Schönheit für Deine Songs?

MB: Extrem wichtig. Das viele Reisen hat mir eine hohe Wertschätzung über das gegeben, wo ich herkomme. Wenn ich beim Schreiben beeinflusst bin, dann durch das, wo ich herkomme, beeinflusst: Ja, da ist sehr beeinflussend.

MT: JJ Grey hat uns ebenfalls erzählt, dass er von der Natur und der Umgebung beeinflusst ist. Ist das typisch für Louisiana?

MB: Ich glaube es ist mehr als alles Andere eine Sache den Südens. Ich kann es  aber nicht genau sagen. James Taylor singt über Berkshires und John Denver hat über Rocky Mountain High gesungen.  Es ist also nicht endemisch  eine Sache des Südens, aber  als Mann des Südens sind wir ein bisschen mehr sehr mit unseren Wurzeln verhaftet, weil diese Wurzeln einfach sehr weit zurückgehen.

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MT: Wenn man Deinen Songs zuhört und auch die Art, wie Du Deine Songs im Konzert ankündigst, kann man sehen, wie Du Dein Herz und Deine Seele öffnest. Hast Du keiner Angst, zu viel aus Deinem privaten Leben zu erzählen?

MB: Nein, als Mensch bin ich ein offenes Buch. Ich war mein ganzes Leben so.  Ich habe nichts zu verstecken und ich bin kein böser Junge. Es gibt also für mich kein Risiko, mein Leben der Öffentlichkeit auszusetzen.

MT: Ich habe JJ Grey gefragt, was er über Dich zu berichten weiß und er antwortete: „Er kennt alle Akkorde!“.  Bist Du der Akkordspezialist und wie viele Akkorde kennst Du?

MB lacht: Ich liebe JJ, er ist ein großartiger Kerl. Ich weiß nicht, wie viele Akkorde ich kenne und ich weiß nicht, ob ich alle Akkordwechsel kenne. Mein Vater ist dafür verantwortlich. Er hat mir alle die Akkordwechsel beigebracht. Er ist ein hochtalentierter Musiker und ist durch Jazz und Fusion beeinflusst.

MT: Deine letzten Alben gibt es nur also Download. Gibt es auch CDs in Hardware?

MB:  Ja, wir haben für die Tour CDs dabei. Aber ich glaube, es ist ein totes Medium. CD-Verkäufe nehmen weltweit ab und außer bei den Tourverkäufen machen CDs nicht mehr viel Sinn.

MT: Es ist also Deine Marketingtaktik, nur noch online zu verkaufen?

MB: Absolut! Nach einiger Zeit wird nichts mehr übrig bleiben. Alle Marktindikatoren zeigen auf die digitale Revolution.

MT: Ich liebe es, CDs aufzumachen, das Booklet zu lesen.

MB: Ich genauso. Ich liebe das Kunstwerk und das Gefühl, etwas in den Händen zu halten. Ich lehne das nicht ab genau so wie ich Vinylplatten und daren Comeback  mag. Ich werde auch weiterhin CDs machen, weil wir möchten, dass die Fans etwas mit nach Hause nehmen.

MT: Ein deutscher CD Händler verkauft bereits mehr als 50% Vinyl.

MB: Das ist überraschen! Auch Mascot-Provogue verkauft auch bereits sehr viel Vinyl

MT: Das Album “Live in Full Sail University” kam nach der DVD. Was war der Grund für eine Audioversion zur DVD?

MB: Beide kamen zusammen, das Audio kam ohne weiteres Material. Wir wollten etwas Verkaufbares für Alle machen. Nicht jeder hat einen BlueRay-Player  und nicht jeder mag ein Livekonzert anschauen.

MT: Kommst Du öfters nach Europa oder Deutschland?

MB: Absolut!

MT: Wie oft warst Du schon hier?

MB: Wir kommen seit ca. 7 Jahren. Wir haben unsere CDs wie z.B. „SOS“ bei einem holländischen Label untergebracht. Also habe ich in 2008 angefangen, rüber zu kommen. Danach ist es ein wenig eingeschlafen. Ich kann nicht mal sagen, warum das so passiert oder ob das Management  nicht die gleichen Ziele hatte wie ich. Ich hatte immer den starken Wunsch, hier zu sein und Musik zu machen. Der Plan ist jetzt, so oft wie möglich zu kommen.

MT: Dein Manager Doug hat mir sofort angeboten, ein Meet&Greet mit Fans zu machen. Ist das ein üblicher Weg für Dich, Fans zu treffen?

MB: Ich habe überhaupt nichts dagegen, Fans so zu treffen und ich versuche mich, so verfügbar wie möglich zu machen.  Ich komme gern nach der Show raus und hänge mit Fans ab. Ich liebe meine Fans und der erstaunlichste Aspekt von meinem Tun ist die Fähigkeit, mich mit den Menschen zu verbinden. Der Punkt hier ist, wie meine Musik ihr Leben beeinflusst. Das bestätigt mir, dass ich das tue, was man von mir erwartet.  Der Vater, der mir bei einem Konzert erzählt, dass er jahrelang nicht mit seinem achtzehnjährigen  Sohn zu Recht kam, bis er und sein Sohn eine Aufnahme von mir gemeinsam hörten. Oder der Typ in L.A., der 30 Tage im Koma lag, bis seiner Freundin ihm „Home“ von mir im Radio vorspielte.  Das erfüllt meine Seele als Künstler und zeigt mir, wo ich bin und sein sollte.

MT: Tedeschi Trucks führten JJ Grey als supporting act  und Freunde von ihnen ein.  JJ Grey erzählte von Dir als Freund und Mitglied der South East Mafia oder Southies. Was weist Du über Deinen Opener Ingo Lechner und Mighty Steel Leg Experience?

MB: Ich habe keine Ahnung. Ich wusste nicht mal, dass wir einen Supporting Act haben.

MT: Warum haben so junge Männer wie Du so mächtige Bärte?

MB: Well… Für mich gibt es nur einen Grund: Meine Frau ist ein großer Fan meines Bartes. In den Augen meiner Frau ist das sexy und je länger er wird und so sexier werde ich ihn ihren Augen.

MT: Let’em grow!

MB: Yes. Let the f…. beard grow!

WP:  Stellst Du uns Deine Band vor?

MB: Klar. Wir haben hier  aus Genf am Bass den aus Venedig stammende Bassist Mr PC oder Pierangelo Crescenzio.  An den Tasten haben wir  aus Lausanne Martin Chabloz und an der Gitarre Cyril Camenzind aus Zürich.

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MT: Und der letzte im Reigen?

MB: Der Drummer ist Chet Gilmore aus New Orleans/Louisiana. Chet spielt mit mir seit 12 Jahren.

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MT: Wie kam es, dass Ihr zusammenspielt? Ist das nur für die Tour?

MB: Ja, nur für die Tour. Ich habe PC und Cyril letzten November auf Tour für die SEAT Music Sessions in der Schweiz getroffen. Beide spielten in der Hausband.  Als ich dann mit JJ wieder kam, hatte ich ein paar Soloshows . Ich habe PC angerufen, damit er ein paar Shows mit mir macht. Und dieses Mal hat er seinen Freund Martin Chabloz für die Keyboards mitgebracht.  Und wenn wir am Samstag in Holland spielen, nehme ich ein paar holländische Musiker mit und in London nehme ich ein paar englische Musiker.

MT: Nimmst Du immer lokale Musiker?

MB: Yes, Sir! Und das läuft erstaunlich gut. Wir buchen immer die besten Musiker der Gegend und die Jungs kommen immer Bestens vorbereitet, wenn Du die Besten anheuerst.

MT: Gibt es da eine Probe vorher?

WB: Das braucht es nicht. Wir proben vielleicht mal einen Schluss oder kleine Teile der Songs, aber ich vertraue den Jungs, dass sie vorbereitet sind und ihre Hausaufgaben gemacht haben.

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MT: Wir waren sehr beeindruckt, dass Du als Solist nur mit einer Gitarre in der Hand die Show für JJ Grey&Mofro eröffnet hast. Machst Du solche Soloshows öfters?

MB: Nicht sehr oft. Ich habe das früher gerne gemacht. In solchen Fällen ist es vor einem kleinen Publikum irgendwo in einem Kellerlokal gewesen.

MT: Wann machst Du Soloshows und wann gehst Du mit einer Band auf Tour?

MB: Kommt wirklich auf die Situation an. Das hängt von den verfügbaren Ressourcen ab. Geld spielt eine Rolle. Ich möchte die Jungs hier nicht fragen, umsonst oder für wenig Geld spielen. Dann spiele ich lieber solo anstatt die Jungs mit einer minimalen Gage zu beleidigen.

MT: Wir reden viel mit nationalen und internationalen Bands über den Verkauf von Musik und es gibt einen Grundtenor der Beschwerde, dass die Umsätze beim Musikvertrieb gering sind. Wie siehst Du das?

MB: Ich hatte mehrere Plattenverträge in meiner Karriere. Einige waren sehr große Verträge über mehrere Hunderttausend Dollars für ein Album. Der letzte Vertrag war verhältnismäßig klein und der wahre Punkt hier ist folgender: Als ich 2008 oder 2009 425000 Dollars für ein Album als Produktionskosten ausgeben habe, haben wir das meiste Geld im Studio ausgeben. Bei dem letzten Album haben wir nur 40000 Dollar ausgeben und das hauptsächlich in die Musik gesteckt.  Das meiste Geld wird also auf der Produzentenseite ausgegeben. Wenn Du also das Album für “fast Nichts“ oder unter 30000 Dollars produzieren kannst und 15000 Alben verkaufen kannst, wenn Du eine Fangemeinde hast, die man auf Tour abgrasen kann und mit 150 Show und 500 Besuchern pro Konzert machen kannst, dann machst Du einen enormen Gewinn. Es kommt darauf an, wie hart Du arbeitest. Als wir mehrere Hunderttausend Dollar zur Verfügung hatten, haben wir Geld bei aufkommenden Problemen im Studio verbrannt. Als wir weniger Geld zur Verfügung hatten, wurden wir bei aufkommenden Problemen stattdessen kreativ. Daher bin ich überzeugt, dass ein finanzielles Kostenlimit eine gute Sache ist – sowohl was die kreative wie auch die finanzielle Seite betrifft. Es kann sein, dass die Verdienste von den Musikanbietern sehr klein sind, aber es gibt wohl noch kein Modell, was sowohl den Künstlern wie auch den Musikanbietern gerecht wird. Wir können das hier jetzt nicht vertiefen, weil es eine komplett neue Geschichte wäre. Aber zusammenfassend kann man sagen, dass wir uns in eine Richtung bewegen, die Vorteile sowohl für den Musiker wie auch den Musikanbieter bringen muss. Ich bin sicher, dass man heute ein Album für 30000 Dollar produzieren kann. Das Geld muss bei den Musikern und bei einem guten Produzenten ausgeben werden. Das Geld darf nicht in Studios ausgeben werden. Wir sind in der digitalen Revolution, um Aufnahmen zu machen und da muss man keine Hunderttausende von Dollars ausgeben.

MT: Vielen Dank für das interessante Interview und wir sehen und nach der Show für das Meet&Greet mit den beiden Fans.

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