Das Interview mit dem „Southy“ JJ Grey & Mofro


Interview: Mario Bollinger

Photos: Christophe Rascle

Vor dem phantastischen Konzert von JJ Grey&Mofro und Marc Broussard im Münchner Technikum hatten wir die Gelegenheit, JJ Grey zu interviewen.

WP: Um Dein neues Album  “Ol’ Glory” zu produzieren, bist Du von Alligator Records zu Provogue/Mascot Music gewechselt. Was waren die Gründe dafür?

JJ Grey:  Ich dachte, es wäre mal Zeit, da ich Ed, den Eigentümer von Mascot, getroffen habe. Ich habe zwei Verträge mit Alligator gehabt und beendet und  ich dachte, das ist es was ich tun musste.

WP: War es wichtig, eine Firma zu bekommen, die in Europa präsent ist?

JJ Grey:  Ja, das ist ein Teil vom Ganzen. Aber Mascot hat eine wesentlich mehr Power mit einer starken Präsenz hier.

WP: Heißt das, dass Du öfters nach Europa kommst?

JJ Grey:  Aber ja, wesentlich regelmäßiger als wir das ab 2010 gemacht haben. Ich weiß nicht, ob wir in jeder Stadt kommen können, aber wir werden jedes Jahr kommen.

WP: Du bist ein musikalisches Multitalent, singst und spielst alle möglichen Instrumente und komponierst alle Songs selbst. Ab welchen Zeitpunkt kam für „Ol‘ Glory‘“ die Band mit dazu?

JJ Grey: Wir waren hier auf Tour und ich hatte schon einige Demoaufnahmen dabei und die Arrangements im Kopf. Ich zeigte den Jungs die Songs. Es war die Tour kurz vor dem Studioaufenthalt und wir nutzen die Soundchecks, um die Stücke anzuspielen.

WP: Habt Ihr die Tour zum Testen benutzt?

JJ Grey: Ja, wir haben aber nur die Soundchecks zum Proben verwendet und das eine oder andere Mal ein Stück live gespielt.

WP: Ist “Ol’ Glory” mehr als nur eine berühmte Fahne? Was bedeutet dieser Ausdruck?

JJ Grey: Ja,  aber der Titel hat nichts mit der Fahne zu tun. Aber Du hast Recht mit der Fahne, allerdings habe ich nie über die Fahne nachgedacht. Mein Onkel hat während der Beerdigung meiner Großmutter hinausgerufen, als sie „fly away“ gespielt haben. Er ist aufgesprungen und hat das laut gerufen. Es ist etwas, was man lange in der Kirche sagt, lange bevor man an die Fahne „ol‘ glory“ gedacht. Es geht um die Herrlichkeit des Lebens.

WP: Also etwas auf Deinem persönlichen Umfeld?

JJ Grey: Ja, es geht um die Elektrizität, die alles und uns bewegt.

WP: Was ist das Sinnbild hinter dem Song „Tik-Tak-Toe“?

JJ Grey: Es geht um ein alter Sprichwort: Der Mann, der immer nur sein Leben im Bösen gelebt hat und einen Höllenleben hatte und  Mann, der immer nur Gutes getan hat und ein himmlisches Leben gelebt hat. Und der  Song geht darum, dass man am Kampf Aller teilnimmt statt 5 Sekunden alleine zu sein. Als ich jung war, erlebte ich ähnliche Situationen und der Song reflektiert das. Man könnte auch sagen, dass man nicht alle Menschen unter einem Mikroskop beobachten kann, wenn man selbst nicht beobachtet werden will.

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WP:  Du singst auf “Ol’ Glory” wesentlich stärker und melodischer  als auf früheren Aufnahmen. Die Texte können die Herzen der Menschen berühren.

JJ Grey: Der Prozess, die Songs zu schreiben, ist immer der gleiche geblieben. Aber bei den älteren Aufnahmen und speziell bei Black Water und Lochloosa oder auch Country Ghetto haben wir z.B. 5 Tage im Studio verbracht. Davon haben wir in 4.5 Tage die Instrumente aufgenommen und nur einen halben Tag für den gesamten Gesang verwendet. Ich war mit einigen Songs nicht vertraut genug, da wir sie kaum gespielt haben und ich sie nur mit akustischer Gitarre und Piano kannte. Dieses Mal haben wir aufgenommen, habe die Sache über Monate setzen lassen und als ich wusste, wie ich es singen wollte, habe ich es aufgenommen. Ich habe mehr Zeit verwendet, um die Songs zu lernen und um zu wissen,  wo  ich mit dem Gesang hinwollte. Wenn ich mit die alten Sachen anhöre, möchte ich das eine oder andere oder auch nur den Gesang neu aufnehmen. Im Laufe der Zeit und bei Liveauftritten  hat sich meine Stimme verändert oder wo anders hinbewegt. Diese Aufnahme jetzt gibt es das Bild wieder, das ich heute gesanglich bei Liveaufritten abgebe.

WP: Die Songs haben Phrasen wie “Home in the sky” oder “I just  heart those angels sing”  oder Du sprichst vom Schöpfer. Sind Deine Songs spirituell?

JJ Grey denkt kurz nach: Ja und das aus mehreren Gründen. Einer der Gründe ist: Ohne Absicht und Zweck schreiben sich die Songs von alleine und das bedeutet für mich, dass sie vom Geist oder der Seele kommen. Wenn ich mich auf meine eigenen Fähigkeiten verlassen würde, Texte zu schreiben, wäre ich verloren. Die Texte schreiben sich von selbst. Das bin nicht ich, der sie schreibt.

WP: Glaubst Du an Gott?

JJ Grey:  Ich weiß nicht. Wenn man damit die Kräfte meint, die größer als die Menschheit sind  – Yeah! Was immer das ist.

WP: Du bist in Jacksonville/Florida aufgewachsen. Du beziehst Dich immer auf die Menschen dort, auf den Geist und die Natur dieser Gegend. Kannst Du Dir vorstellen, wo anders zu leben?

JJ Grey: Ja, es gibt ein paar Plätze, wo es wärmer ist. Puerto Rico, Trinidad oder sogar Australien. In Florida kann es kalt sein, so 5°F oder -15°C. Nicht ganz so kalt wie in Deutschland.  Ich muss da nicht immer leben, gelegentlich langt.

WP: Derzeit ist die ganze Welt in politischen oder gesellschaftlichen Problemen verstrickt. Ist das Leben in Florida, so wie Du es erlebst, ähnlich wie in der ganzen Welt oder ist das Dein persönliches Bild von Florida?

JJ Grey: Es ist anders, als wie ich es verstehe. Jeder Ort hat schlechte Dinge. Neun meiner Freunde wurden ermordet. Wo ich aufgewachsen bin oder wo ich zu High-School gegangen bin, war es grausam und hart. Genauso wie jeder andere Ort auf der Welt und es gibt sicherlich noch härtere Orte. Aber ich bin da aufgewachsen und es ist eine Hassliebe. Dinge passieren und die Welt dreht sich weiter. Man muss aufhören, diesen Dingen mehr Aufmerksamkeit zu geben als wie es wert ist und darüber hinweg sehen. In anderen Worten: Es gibt auch überall schöne Dinge.

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WP: Du warst in den neunziger Jahren in Großbritannien. Was hast Du da gemacht?

JJ Grey: Meine damalige Frau lebte in Nordlondon. Ich lebte in Jacksonville oder in den Wäldern von Jacksonville. Ich hatte keine Ahnung, was in der Musikgeschäftswelt los war und ich kannte niemand  außerhalb von Jacksonville. London war irgendwie ein Ort für das Musikgeschäft. Also bin ich dort hingezogen und hatte einen Plattenvertrag mit einer Firma, die mich rübergeholt hat. Dann waren sie aber zahlungsunfähig. Also blieb ich eineinhalb Jahre. Ich bekam dann Kontakt zu Dan Prothero, der seit dem alle Aufnahmen von mir produzierte und seine eigene Plattenlabel  Fog City Records hatte. Und so machte ich dann Black Water und Lochloosa für und mit ihm.

WP: Hast Du damals Deine Heimat vermisst?

JJ Grey: Manchmal, ich habe Lochloosa in London geschrieben. Ich bin ein Mensch, der dort zu Hause ist, wo er gerade weilt. Ich rufe gerne zu Hause an und würde gerne meine sechsjährige Tochter jeden Tag sehen. Am Ende einer Tour werde ich dann schon ganz nervös, wenn es heim geht. In 2 Tagen wird mein Sohn 27 Jahre.

WP: Warum bist Du zurück in die USA?

JJ Grey:  Weil Dan mir erzählt hat, dass er mit mir eine Platte machen wollte. Ich mochte, was er tut. Seine Platten sind wirklich gut und deshalb kam ich zurück.

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WP: Welche Gitarren benutzt Du auf der Bühne?

JJ Grey: Ich spiele meist Paul Reed Smith Starlas. Zu Hause habe ich eine wesentlich größere Ausrüstung , hier habe ich ein kleiner Ausrüstung, die ich in Rotterdam deponiere, wo die Plattenfirma ist. Normalerweise spiele ich auf PRS Dallas Combo Amps oder einen Victoria 58 oder 59 Twin. Ich spiele auf Aufnahme und manchmal auch live eine alte 64er Guilt T100D – meine Beste überhaupt. Paul Reed Smith hat mir eine gebaut mit den gleichen Pickups und dem Hollowbody aber die Guilt spielt sich ganz leichter. Die Bilder mit den SG Gitarren sind alt. Ich liebe meine 4 SGs und die Gold Top hat derzeit mein Gitarrist und ich muss schauen, dass ich sie auch wieder zurück bekomme. Ich habe auch eine Gibson ES 175, aber meist spiele ich die PRS

WP: Sind das für Dich Werkzeuge oder haben sie einen speziellen Wert für Dich?

JJ Grey: In erster Linie sind es Werkzeuge, aber es ist auch ein Kunstwerk, wenn jemand alles in diese Gitarre hineinsteckt, was er kann.

WP: Derek Trucks Gitarrentechniker hat Bobby Tis hat mir erzählt, das Derek großen Wert auf die Wartung und Pflege legt. Teilst Du diese Akribie?

JJ Grey: Wenn sich da einer auskennt, dann Bobby Tis. Er kennt alle Details der Gitarren. Ich behandle meine Gitarren nicht schlecht. Zu Hause sind sie alle in klimatisierten Räumen im Studio, weil das Klima in Florida die Gitarren kaputt macht.

WP: Letzter Teil meiner Fragen. Bitte zu 3 Namen einen kurzen Kommentar.

  • Bruce Iglauer: Das wird ein längerer Kommentar. Er ist prima. Es ist mir eine Freude, ihn zu kennen. Wir arbeiten immer noch zusammen, weil ich mit ihm den Deal gemacht habe, dass er nach wie vor meine alten Platten noch mal auflegen darf. Ich fühle mich nach wie vor als Mitglied von Bruce und seiner Alligator-Familie
  • Derek Trucks: Einer der größten Gitarristen seit je her, nicht nur von jetzt. Sein Sound ist so ausgeprägt genau so wie Louis Armstrong Spiel auf der Trompete. Er spielt nicht auf der Gitarre sondern singt mit durch seine Gitarre.
  • Marc Broussard: Einer der besten Sänger, mit denen ich gespielt habe. Ein wahnsinniger Gitarrist, der unendlich viele Akkorde kennt. Ein toller Songwriter und ein Freund der Familie.

WP: Warum haben diese Musiker neuerdings solche großen Bärte?

JJ Grey lacht: Ich weiß nicht, ich kann da nicht mitreden, weil bei mir da nicht so viel wächst

WP: Woher kommt der Name Mofro?

JJ Grey: Ein Typ nannte mich jahrelang so „Hey, was machst Du, Mofro?“. Aber es ist ein Ausdruck  für schlechte Menschen. Man sagt: Du bist ein schlechter Mofro und man meint einen Motherf…

WP: Seit dem ich Dich letztes Jahr bei TTB gesehen habe, bin ich begeistern und das damals schon bei dem ersten Song. Wir waren der Meinung : Zu gut für einen Support Act. Wir hoffen Du kommst öfters.

JJ Grey: Toll, das ist nett. Aber unter Freunden tun wir das. Wir alle, also Susan und Derek, die Allman Brothers, Warren Haynes and Govt Mule und alle die Band da unten sind Freunde. Ich nenne das die South East Mafia.  Warren kommt von South Carolina. Wir sind alle “Southies”

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