Nachschlag 2014: Im Gespräch mit Leo Lyons und Joe Gooch


Text: Mario Bollinger

Photos: Christophe Rascle

Bereits im November 2014 berichteten wir mit großem Publikumsinteresse vom Konzert der 100 70 Split HSS im „Legend of Rock“ in Olching. Vor dem Konzert konnten wir mit Leo Lyons und Joe Gooch, den Protagonisten der HSS, ein Interview führen.

WP: Eure aktuellen Tourdaten beinhalten nur deutsche Städte. Offensichtlich habt Ihr hier eine große Fanbasis. Fühlt Ihr Euch wohl, wenn man in einem Venue spielt, das „Legends of Rock“ spielt?

Leo Lyons: Legends of Rock, aber sicher!

WP: Joe, wie entlastend war es, keine Alvin Lee Solos mehr spielen zu müssen?

Joe Gooch: Ich hatte nie was dagegen, Alvin Lee Songs zu spielen und wir spielen nach wie vor ein paar Ten Years After Songs in den Sets. Aber es ist schön, wenn man nicht mehr auf das originale Material festgenagelt ist.

WP: War es eine Belastung, wenn das Publikum Alvin Lee Solos hören wollte?

Joe Gooch: Ich war ganz froh, dass ich mich wirklich nie hinsetzen musste und die Solos, außer das Intro von „Goin‘ home“ und die Hauptriffs, auswendig lernen musste. Ich war nie ein Alvin Lee Clone, aber ich erinnere mich, dass es am Anfang war es komisch, als die Leute mich nicht kannten.

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WP: Diese Location ist einiges kleiner als die Bühnen, auf die Ihr gespielt habt.

Leo Lyons: Das ist richtig, aber wir werden wieder auf größeren Bühnen spielen. Wir nutzen solche Auftritte, um den Tourkalender zu füllen. Nachdem wir Ten Years After verlassen haben, mussten wir natürlich den Namen ändern und viele Fans nicht wussten, wer und wo wir jetzt sind. Die beiden „Anderen“  (Anmerkung der Redaktio: Chick Churchill und Rick Lee) haben den Namen und den Geist von TYA behalten. Teilweise wissen die Fans das immer noch nicht. Auch das andere Management war da nicht ganz klar und deutlich genug, die Änderungen zu kommunizieren.

WP: Viele Fans haben TYA nach Deinem Ausscheiden als beendet betrachtet.

Leo Lyons: Kann sein.

WP: Auch eine TYA Webseite bezeichnet Euch Beide immer noch als Mitglieder.

Leo Lyons: Ja , aber das sollte nicht mehr so sein. Das war alles sehr ärgerlich, weil wir uns in einer sehr negativen Atmosphäre befanden, aber wir hatten keine Wahl außer zu gehen. Joe ist darüber immer noch sehr unglücklich.

WP: Auf Eurem Tourkalender sind keine Bluesfestivals zu sehen. Seit Ihr zu hart für Blues?

Leo Lyons: Nein, ich glaube nicht.

Joe Gooch: Wir spielen einen Mix aus Blues und Blues Rock und da halt mehr auf der Rockseite. Wir spielen nächsten Sommer auf einigen amerikanischen Festivals, aber das ist noch nicht veröffentlicht.

WP: Was sind die Pläne für 2015?

Leo Lyons: Nächsten Jahr touren wir im März und Dezember durch Deutschland und ein paar Bluesfestival dazwischen, ein paar Festivals in USA für Juli und August und wir werden ein neues Doppel-Live-Album im Januar veröffentlichen. Jetzt mit HSS zu starten ist wie mit einer neuen Band zu starten. Es wäre zu leicht, sich auf TYA zurückzuziehen und alle würde sagen: Ah ja Alvin Lee usw bla bla bla. Das ist Geschichte und darüber sind wir hinweg. Die Besucherzahlen bei der Tour im Oktober und November sind gestiegen.

WP: Manche Fans haben sich beschwert, dass Ihr deren Länder nicht besucht. Welche Länder wollt Ihr also 2015 glücklich machen?

Leo Lyons: Wir wollen viele Länder besuchen. Viele Menschen haben vor allem für UK gefragt. Ich habe eine paar Leute in UK kontaktiert, aber es scheint schwierig für Bluesrockband zu sein, dort zu arbeiten. Tatsächlich spielen wir auf einem Festival in Februar, aber…

WP: Warum ist es schwierig?

Leo Lyons: Das sit nicht leicht auszumachen. Es gibt nicht viel Venues und die Wenigen sind klein und sie machen keine Werbung. Das Land scheint Tributebands zu bevorzugen. Die nehmen lieber 10 solche Bands aus den 60ern mit wenigstens einem Originalmusiker, die dann eine kleine Tour machen und die Leute zum Mitsingen der bekannten Songs bringen.  Es ist ein schwieriger Markt für Bands, die etwas anderes machen wollen.

WP: Einige britische Musiker erzählen mir, dass man das Wort „Blues“ nicht mehr verwenden soll. Die Leute möchten keinen Blues mehr hören.

Leo Lyons: Ich glaube schon, dass sie Blues hören möchte. Es ist die Frage, wie es beworben wird. Das ist das Wichtige. Wir haben sehr viel junge Fans und vor allem auch weibliche Fans, die Blues mögen.

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WP: Gibt es neben der Doppellive-CD auch eine Studio-CD?

Leo Lyons: Nun, wir haben immer noch das Album  HSS, das nicht mal 12 Monate alt ist. Klar möchten wir eine Studio-CD machen.

Joe Gooch: Wahrscheinlich machen wir eine Studio-CD Ende 2016. Das braucht Zeit

Leo Lyons: Ja und wir sind halt viel unterwegs. Wir wollen noch nach Skandinavien und natürlich Amerika und natürlich in UK.

WP: Leo, Du lebst sowohl in UK wie auch USA?

Leo Lyons: Ich lebe jetzt eigentlich in Wales. Ich hab noch ein Haus in Nashville, aber ich sehe mich als in England ansässig.

WP: Joe, hast Du noch anderer Projekte? Joe Gooch:  Ich schreibe ein paar Songs, die derzeit noch auf meinem Keystick sind. Ich möchte sie in den nächsten Monaten herausbringen.

WP: Leo, was machst Du noch außerhalb von HSS

Leo Lyons: Ich verfolgte früher noch viele Dinge, aber es kostete und kostet immer noch viel Zeit. Vielleicht wird das mal einfacher, wenn das irgendwie hineinpasst und wir nicht touren.  Als ich mit TYA unterwegs war, wurden mir vielen Produktionsjobs angeboten. Aber ich konnte das nie machen, weil wir 365 Tage mit 60-100 Shows im Jahr für TYA unterwegs waren. Da konnte ich mich nie verpflichten. Mit dem HSS Projekt aber haben wir entschieden, dass wir nur monateweise arbeiten. Wenn Du so in Monatsblöcken arbeitest,  hast Du ein besseres Leben und Zeit, andere Dinge zu entwickeln. Ich werde wohl in Zukunft da etwas mehr machen, wofür ich jahrelang keine Zeit hatte. Ich habe ja ein paar Mal bei Aufnahme mitgespielt, aber…

WP: Mit wem würden Ihr gerne mal im Konzert spielen?

Joe Gooch: Ich würde gerne mal mit Jeff Beck spielen. Oder auch für Ritchie Kotzen, ein Gitarristen, aber es gäbe noch viele große Gitarristen, mit denen ich spielen würde.

WP: Warum gerade Jeff Beck?

Joe Gooch: Er hat einen tollen Ton, ein super Gefühl, er ist sehr melodisch und ist ein bisschen anders anders. Oder Scott Henderson

WP: Leo, mit wem möchtest Du nach Deinem langen Leben als professionellen Musiker mal zusammenspielen?

Leo Lyons: Ich hab keine Ahnung.  Ich weiß nicht… Ich mag Writer wie John Hiatt und solche Leute. Springsteen würde mir auch Spaß machen, aber ich habe ihn nie getroffen, daher kann ich es nicht sagen.

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WP: Ihr seid geradeaus ein Power Trio: Gitarre mit Gesang, Bass und Drum. Werdet Ihr das so weiter verfolgen oder möchtet Ihr mal ein paar mehr bluesorientierte Instrumente wie akustische Gitarren, Harps oder Keyboards nutzen?

Leo Lyons: Das würde das Konzept komplett ändern, wenn wir das tun

Joe Gooch: Wir nutzen gelegentlich mal eine Hammond. Manchmal füllen wir einige Aufnahmen damit und es harmonischer zu machen. Gelegentlich nutzen wir auch Hintergrundgesang, um es etwas zu verbessern. Mich persönlich selbst interessiert die Harmonika nicht.

Leo Lyons: Ich kann mir Jimi Hendrix nicht mit einer Harmonika vorstellen. Wir bleiben ein Power Trio. Aber manchmal nehmen wir weiblichen Hintergrundgesang dazu.

WP: Wir machen ein Spiel. Ich nenne Euch 3 Namen und Ihr gebt mir schnell 3 Kommentare dazu.

  • Colin Hodgkinson: Leo Lyons – Der spielt doch jetzt Bass bei TYA? Ich kenne ihn seit Jahren.
  • Mike Vernon: Leo Lyons – er produzierte meine erste Aufnahme. Ich habe ihn gerade letzte Woche gesprochen
  • Georgina Ferry: Leo Lyons – Ich glaube die kenne ich nicht. WP: Sie hat folgendes Buch geschrieben: Computer Called LEO: Lyons Tea Shops and the World’s First Office Computer! Leo Lyons: Ach ja, ich kenne sie doch, ich habe sie auf meiner Webseite gelinkt.

WP: Leo, meine letze Frage und ich habe sie letztes Mal schon gestellt: Gibt es Pläne für Deine Rente?

Leo Lyons. Nein, zurzeit nicht wirklich. Ich möchte noch so viele Dinge tun. Für mich ist Lebensabsicherung nicht so wichtig wie die Lebensfreude. Ich würde das Musikmachen nie aufgeben, weil es mir nämlich so viel Spaß macht.

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Tourdaten:

13.03.2015 – Kiel – Räucherei

14.03.2015 – Husum – Speicher

17.03.2015 – Berlin – Quasimodo

18.03.2015 – Erfurt – Museumskeller

19.03.2015 – Torgau – Kulturbastion

20.03.2015 – Halle (Saale) – Objekt 5

21.03.2015 – Plauen – Malzhaus

22.03.2015 – Mannheim – Alte Seilerei

24.03.2015 – Karlsruhe – Jubez

25.03.2015 – Freiburg – Jazzhaus

26.03.2015 – CH-Pratteln – Z7

28.03.2015 – Roth – Bluestage (Kulturfabrik)

30.03.2015 – A-Salzburg – Rockhouse

31.03.2015 – A-Wien – Reigen

09.05.2015 – Leinfelden – Guitars United Festival

14.08.2015 – Finkenbach – Finki Open Air Festival

15.08.2015 – Waffenrod – Woodstock Forever Festival

https://www.youtube.com/watch?v=oF-AFCMZREE

https://www.youtube.com/watch?v=es6GPkZQkgI


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