Gibt es den Keb’ Mo‘ Style? Fragen an Keb‘ Mo‘, um sein neues Album BluesAmericana zu verstehen


Text:     Mario Bollinger

Photos: Christophe Rascle

Wie bereits berichtet, spielte Keb’Mo’ auf dem Stuttgarter Jazz Open 2014. Nach seinem Soundcheck befragten wir ihn zu seinem neuen Album BluesAmericana

WP: Dürfen wir Dich beim Interview fotografieren?

KM: Ihr meint, so mit Internet und Veröffentlichen? Ich fühle mich grad ein bissel blöd mit der MickeyMouse-Kappe auf dem Kopf und so?

WP: Wir wollen Dich wie im richtigen Leben zeigen. Schau, wir hatten Johnny Winter, Leo Lyons, Tedeschi Trucks Band vor einigen Wochen und wir hatten die Blues Band und Zakyia Hooker

KM lacht: Hattet Ihr mich auch schon?

WP: Noch nicht!

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In diesem Moment betritt der Promoter des Jazz Open, Jürgen Schlensog die Szene und begrüßt Keb’Mo‘ und fragt nach unseren Aktivitäten:

JS: Hi, ich bin der Promotor, herzlich willkommen, Keb’ Mo‘.  (Und an uns gerichtet) Hallo, was macht‘s Ihr?

WP: Interview für ein Online Magazin für Blues

JS: Sauber! Danke, dass Ihre alle da seid‘s.

KM: Danke, dass ich auf dem schönen Festival sein darf und Du hast coole Schuhe an.

JS lacht: Zweckmäßig!

Danach führten wir das Interview fort und knüpften bei Johnny Winter an

WP:  Hast Du mitbekommen, dass Johnny Winter gestorben bist?

KM: Ja, ich habe Johnny Winter das erste Mal in den 70ern in einem Hotel in Hollywood getroffen.

WP: Hast Du mit Johnny Winter gearbeitet?

KM: Ich habe nur einmal mit ihm auf dem Crossroads Festival gearbeitet. Bei dem Finale stand ich ganz nah bei ihm. Am Flughafen haben wir noch ein wenig ei geredet. Er war sehr, sehr nett, ein ganz ruhiger Mensch

WP: Wie reden Dich die Leute an? Keb’Mo‘, Kevin Moore, Keb‘ oder wie sonst?

KM: Die Menschen nennen mich Kevin oder Keb als Abkürzung.

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WP: Heute Abend haben wir mit James Hunter 6 und Sheila E und Dir ein sehr weit gefächertes Angebot. Kennst Du James Hunter oder Sheila E?

KM: James Hunter, nein kenne ich nicht. Was macht er?

WP: Schnelle jazzlastige R&B Sachen.

KM: Und was spielt er?

WP: Er spielt Gitarre und singt. Können wir heute Abend ein Jamming erwarten?

KM: Nein, gejammt habe ich, als ich jung war. Ich liebe Jamming, aber heute haben wir praktisch keine Zeit mehr dazu. Ich würde gerne mit Gitarristen jammen. Einfach zusammensitzen

WP: So wie auf dem Crossroads mit Taj Mahal oder Stefan Grossman?

KM:Du hast das gesehen? Das ist es, was ich liebe!

WP: Deine Alben „Keep it simple“ and „Suit cases“ klingen sehr ähnlich wie Deine neue Platte „BluesAmericana““.

KM: Meinst Du?

WP: Wenn es für Dich Unterschiede gibt, erzähl es uns.

KM: Du solltest es mir erzählen. Für mich klingt sie eigentlich anders.

WP: Gibt es einen Keb’ Mo’ style?

KM: Ja, es gibt einen Keb’Mo‘ Style und bei meiner letzten CD habe ich ihn etwas verlassen und die Leute waren etwas verwirrt.  Das ist interessant. Die Leute haben eine gewisse Vorstellung, wer Du bist und was Du machst. Sie möchten nicht, dass Du Dich da zu weit entfernst. Bei meiner letzten CD, die ich sehr gut fand, waren die Leute argwöhnisch und fragten, was der Kerl da macht. Leute, die mich noch nie gehört haben, mögen enthusiastisch reagiert haben. Es ist schön, wenn man eine eingeschworene Fangemeinde hat, aber es schränkt ein. Es ist schwer, auch für andere Musiker wie James Taylor oder Buddy Guy, sich zu weit zu entfernen. Ich liebe alle meine CDs, ohne dass ich mir bisher Gedanken gemacht habe, ob die Leute sie mögen. Wir alle stellen eine Marke dar. Aber jetzt bin ich wieder beim Keb’Mo‘ Stil – wir sind halt alle nur Menschen. Es gab negative Stimmen, aber auch Positives zu hören, je nachdem wo man herkommt.

WP: Was war der Antrieb für „BluesAmericana“?

KM: „BluesAmericana“ ist einfach eine Keb’ Mo’ CD, welche die Wahrheit sagt. Ich habe versucht, eine bessere Keb’ Mo‘ CD mit Spaß zu machen. Ich bin wirklich glücklich mit „BluesAmericana“ und es ist meine beste CD.

WP: Welche Erfahrungen hast Du, wenn Du in Europa oder Deutschland spielst?

KM: In Europa zu spielen heißt, eine andere Einstellung anzutreffen. Die Leute sehen die Musik anders und hören hier wirklich zu, sie zeigen Dir ihre Bewunderung. In USA zeigen sie Dir das körperlich. Hier spiele ich auf Musikfestivals, wo die Menschen zuhören und Dope rauchen. Es erlaubt mir mehr, ich selbst zu sein.

WP: Du bist 1951 geboren und gehörst damit zu jüngeren Generation der Blues Musikern. Wie möchtest Du Deinen Blues im Vergleich zu den Alten wie Buddy Guy oder Taj Mahal entwickeln?

KM: Buddy Guy ist ein echter Chicago Blueser, der vom Mississippi kommt. Er ist da mit den Typen aufgewachsen und hat bei all den Jazzplatten gespielt Ich würde ihn einen Gentleman nennen, „a real blues guy“. Taj Mahal ist ein Blueser, der glaube ich aus Boston kommt. Seine Eltern stammen aus New York und Jamaika.  Er hat also ein karibisches Erbe. Seine Wurzeln sind zweigeteilt und mit afro-amerikanischen Background. Ich dagegen bin aus Kalifornien, meine Mutter ist vom Süden und ich habe, wie Taj Mahal, eine multikulturelle Erfahrung, die ich auch ausdrücken möchte. Ich spielte früher auch karibische Musik, als ich jung war und habe somit ähnliche Erfahrung wie Taj Mahal: Karibische Musik, Blues Musik,  afrikanische Musik! Meine Songschreiberei ist durch Countrymusik beeinflusst. Leute wie Hank Williams mit Songs der letzten 50 Jahre, die aus Nashville kommen, haben phantastische lyrische Songs. Ich liebe das Schreiben aus der Countrymusik heraus und ich liebe den Funk des Jazz von Duke Ellington und Nat King Cole. So liebe ich Songs musikalisch, weil ich damit etwas ausdrücken möchte.

WP: Würdest Du Dich als Singer/Songwriter bezeichnen?

KM: Ja

WP:  Mehr Singer/Songwriter als Bluesmusiker?

KM: Ja

WP: Ich bin auch Gitarrist und möchte Dich daher etwas über Deine Gitarren fragen. Welche Deiner Resonator Gitarren magst Du am meisten?

KM: Ich habe eine National Reso Rocket, die ich am liebsten spiele. Ich habe 2 davon. Dann noch eine australische Beltona aus Neuseeland und eine Republic, die eine preisgünstige chinesische Variante ist. Ich hatte eine National aus den 90ern, die ich aber verschenkt habe.

WP: Vintage oder neue Modelle

KM: Neuer Modelle.

WP: Welche hast Du auf Crossroads gespielt:

KM: Da habe ich glaube ich die Reso Rocket verwendet

WP: Welche Pickups benutzt Du?

KM: Ich benutze Highlander PU. Die sind am besten am Cone. Die klingen auch auf der Mahagonie Reso gut. Heute Abend benutze ich erstmalig eine Düsenberg. Ich habe sie schon 3 Jahre und es braucht eine Zeit, bis Gitarren ihren Platz bei mir finden. Düsenberg ist kein üblicher Hersteller von Resogitarren und es ist auch ein mehr experimentelles Modell, das ich von Dieter Gölsdorf bekommen habe.

WP: Was sind die Themen Deiner Songs?

KM: Sie kommen von überall, das Leben ist messy.

WP: Wenn Du Songs wie „France“ oder „ Shave yo‘ leg“ singt, über wen singst Du da?

KM lacht laut: … über jeden Menschen auf der Welt. Weißt Du, Frauen (in dem Moment läuft eine Frau am Tisch vorbei: „Hallo, wie geht es Dir“) machen Sachen für andere Frauen, sie ziehen sich nicht für uns Männer an.  Es geht darum, Frauen so zu nehmen, wie sie sind. Selbst wenn sie nicht perfekt, sind sie doch zauberhaft. Eine perfekte Frau könnte so gemein wie eine Klapperschlange sein.

WP: Du spielst in Europa 11 Konzerte innerhalb von 2 Wochen. Bleibt da Zeit, um sich was anzuschauen?

KM: Prag war schön. Ich war das erste Mal in Prag – Mann, die hat schöne Beine! Vielleicht gehe ich in Deutschland mal in einen Biergarten oder gehe auf das Oktoberfest.

WP: Da bist Du zu früh hier. Vielleicht kommst im Herbst zurück?

KB: Ja, das sollte ich vielleicht machen!

WP: Wie kam es, dass Du in 2 Filmen mitgespielt hast?

KM: Ich glaube, die haben mich angerufen, weil sie einen wie mich gebraucht haben.

WP: Möchtest Du einen neuen Film machen, wenn man Dich wieder anruft?

KM: Hm, vielleicht tragende Rolle in einen Actionfilm mit Halle Berry (und lacht). Nein, eigentlich nicht, weil das eigentlich nicht mein Fokus ist. Und ich glaube, ich bin nicht Halle Berrys Typ.

WP: Denkst Du, dass alles über Robert Johnson gesagt worden ist oder gibt es noch Geheimnisse?

KM: Das ist vieles Mysteriöses um Robert Johnson. Ich sprach viel mit Robert Lockwood Jr. in Memphis. Ich saß mit ihm am Tisch und er war ein wenig angefressen über das, was um Robert Johnson herum gesponnen wurde. Er kannte Robert Johnson und er sagte, es gab keine Crossroadserlebnis  und es gab keinen Teufel usw. Er war der beste Sänger, den wir kannten.

WP: Ist es wahr, dass er anfänglich ein lausiger Gitarrist war?

KM: Das was offensichtlich wahr. Sun House hat das so bestätigt. Er saß damals zusammen mit Sun House und Willie Brown. Sun House war damals ein guter Sänger und Gitarrist.

WP: Weißt Du, ob das 3. Bild von Robert Johnson existiert?

KM: Wenn interessiert‘s? Das sind nur Sammlerstücke, wo die Leute ihre Finger drauf haben. Da kann man vielleicht ein paar Hundertausend Dollars bei einer Versteigerung an Wert haben. Es ist, als wenn man einen Picasso besitzt – ein großes Stück Kunst. Wenn man jung stirbt, stirbt man berühmt. Otis Redding starb früh, Jimi Hendrix auch.

WP: Ja aber Robert Johnson war zu der Zeit nicht berühmt? Er wurde erst später entdeckt!

KM: Immerhin hat er 5000 Platten verkauft.

WP: Aber sein Revival war erst in den 60er Jahren als die Songs wieder aufgelegt wurden.

KM. Ja, vor allem die britischen Musiker haben ihn wieder entdeckt.

WP: Die Stones haben ihn aber nicht mal als Autor auf deren Schallplatten erwähnt.

KM: Ich würde da nicht mal den Stones einen Vorwurf machen. Das ist mehr bei den Produzenten oder Plattenfirmen anzukreiden. Das ist Business.

WP: Letzter Punkt für heute – 3 Namen 3 Statements.

  • Wer ist Taj Mahal für Dich?
  • KM: Taj Mahal ist der Oberbruder, der Stammesführer des Blues. Wenn wir ein großer Stamm wären, dann wäre er der Häuptling mit dem großen Federschmuck des Blueshäuptlings, dann würden wir in sein Zelt wegen seinem uralten Material und wegen seiner Weisheit kommen. Er hat den kulturellen Background dazu. Wir kommen alle aus von afrikanischen Stämmen ab. Wir haben nach wie vor die Jäger, Krieger und Handwerker in unseren Genen, auch wenn ich selbst noch nie in Afrika war. Wir gehören alle zu einem Stamm und er ist der Chef des Stammes.
  • Robert Johnson?
  • KM: Der Mann der Rätsel, er brachte das Geheimnis in den Blues. Er war ein Batman, ein mysteriöser Mann.
  • Maria Muldaur?
  • KM: Wow, wow – ich habe sie in den 70ern getroffen. Eine ganz liebe Frau, sehr hübsch, sie war wie ein junger Popstar. Sie ist verlockend unerreichbare Frau und sie ist mittlerweile noch mehr „Frau“ geworden.

Keb‘ Mo‘ bat mich kurz das Aufnahmegerät auszuschalten, um mir offline seine Begeisterung für Maria Muldaur darzulegen. Sie ist umwerfend und hat die Zeit gut überstanden.

  • WP: Wie kam es, dass Du mit Ihr Musik gemacht hast?
  • KM: Sie hat mal eine wichtige Platte namens „Midnight at the Oasis“ gemacht. Die Leute meinten, dass diese Platte ein bisschen kitschig war, aber da ist eines der besten Gitarrensolos drauf. Der Gitarrist war hieß damals Garrett.

WP: Wie bereitest Du Dich vor, wenn Du Shows wie Crossroads spielst?

KM: Alles ist ziemlich festgelegt, es gibt einen Plan, alles ist festgelegt. Es ist überhaupt nicht spontan.

WP: Vielen Dank für das Interview und viel Spaß bei der Show.

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