Jesper Munk – Der wilde Junge mit Retrostil


Interview: Mario Bollinger, Fotos: Christophe Rascle – 29 Nov 2013

Seit Monaten macht ein Name die Runde: Jesper Munk! Der 20jährige Musiker aus München hat mit seiner 2013 erschienen CD „For in my way it lies“ vor allem auf Grund seine Retrostils für Aufmerksamkeit gesorgt, die man nicht hinter einem so jungen Musiker vermutet hätte. Jesper Munk startete praktisch vom Abitur weg durch und war vorher nur in ganz kleinen Bühnen und auf der Straße unterwegs. Das Album ist bemerkenswert, weil Jesper Munk sehr viele Facetten im Bereich Blues, Jazz und Soul zeigt. Sein Aufritt bei TV noir hat seine Popularität sicherlich noch mehr gesteigert, so dass die Wasser-Prawda schon vor Monaten um ein Interview mit Jesper Munk angefragt hat. Jesper Munk ist derzeit als supporting act von Eric Burdon unterwegs und so bot es sich an, anlässlich des Münchener Konzerts Jesper Munk in seiner Heimatstadt zu treffen.

Mario Bollinger – Jesper Munk – München

Mario: Wo kommst Du her und wo geht es hin?

Jesper Munk: Dieses Jahr waren wir viel auf Tour, letztens in Österreich und jetzt eben die Tour mit Eric Burdon, was das Beste war, was uns für den Abschluß des Jahres passieren konnten. Nächstes Jahr geht etwas ruhiger an, ich werde ein bisschen mehr Zeit haben, um zum Spaß zu Musizieren und neue Lieder zu schreiben. Wahrscheinlich fl iege ich auch nach LA, um mich mit einem Produzenten zu treff en. Ich möchte herausfinden, ob wir für das 2. Album zusammen kommen, um zu entscheiden, ob wir ganz traditionell bleiben oder unseren Sound etwas aufzupeppen. 

Mario: Deine CD ist ein Erstlingswerk. Wie kam es dazu?

Jesper Munk: Das erfolgte ziemlich schnell nach dem Abitur. Ich hatte den Wunsch, eine CD zu machen und mit der Hilfe meines Vaters, der schon einige Platten mit seiner eigenen Band produziert hatte, waren die Aufnahmen schnell gemacht. Wir hatten lediglich 3 Mikrophone verwendet und ich habe sie dann abgemischt und produziert habe ich sie dann mit meinem Vater zusammen.

Mario: Wer steht da hinter Dir?

Jesper Munk: Hinter mir steht meine Managerin Sophie Raml, die auch die Band Blumentopf managt. Blumentopf ist eine Hiphop Band aus München.. Dann gibt es noch meinen Vater, der mir an beratender Stelle zur Seite steht und natürlich meine Jungs – Die Besten! Das 2. Album kommt über Warner heraus.

Mario: Die Songs auf der CD sind in mono: Ist das ein künstlerischer Kunstgriff oder eine technische Limitierung bei der Aufnahme?

Jesper Munk: Beides – ich hätte erst mal nicht gewusst, wie ich es auf Stereo bringen hätte können, aber ich habe mich mit meinen Dad zusammen entschieden, dass Mono für dieses Album das Perfekte war. Es war alles schon sehr direkt und pur aufgenommen, so dass wir gesagt haben, dass es bei einer Stereoverbreiterung nicht mehr so echt ist und so haben wir es klassisch mono gelassen.

Jesper Munk – München

Mario: Viele Musiker wie z. B. „Sir“ Oliver Mally nehmen bewusst in Mono auf: Hier wird bewusst transportiert, dass an diesen Monoaufnahmen nichts mehr gedreht und manipuliert wird.

Jesper Munk: Ich finde, das Pure und vom Sound her Ehrliche sehr wichtig. So erlaubt ein MESA BOOGIE Verstärker im Gegensatz zu einem Marshall Verstärker keine Fehler. Wenn etwas danebengeht, kracht es sofort. Der Sound ist direkt und ehrlich und das ist für mich wichtig.

Mario: Die CD Ist hauptsächlich eine Vokal-CD ohne eine große Band oder instrumentale Solisten. Reicht das für eine so exponierte Musik wie Deine?

Jesper Munk: Ich mag die Gitarre schon. Dort habe ich sehr viel Mühe reingesteckt und bei den Konzerten drückt mir die Gitarre die Dinge zwischen den Zeilen aus. Wir sind normalerweise immer im Trio unterwegs, d.h. ich singe und spiele Gitarre. Der Clemens, den Du eben kennengelernt hast, spielt Schlagzeug und mein Vater spielt Bass. Dieses Rocktrio hat sich für uns ziemlich bewährt, man ist nah beieinander, es fällt nichts auseinander und es ist auf das Notwendige reduziert.

Mario: Kannst Du die eine größere Band vorstellen?

Jesper Munk: Momentan nicht, aber für die Zukunft kann man sich da was überlegen. Ich hätte auch gerne eine Hammondorgel dabei, aber das spekuliere ich nur.

Mario: Wie kam es zu dem aus der Reihe tanzenden Song “I love You“?

Jesper Munk: Der wurde vorher schon mal vom Produzenten Stephan Mattner aufgenommen, damit hatten wir nichts am Hut. Dann hat der Produzent mir die Aufnahme geschickt, mit der Bitte, sie mal auszuprobieren. Ich habe den Eddie Holman Song schon gehört, ich habe dann eine Stunde daran rumprobiert und zurückgeschickt. Stephan hat mir die Nummer dann angeboten. „I love you“, fett aufgenommen, passte dann nach der krachenden und mono aufgenommen Nummer „John’s a man“, in die CD. Das war der Gag, den wir uns hier erlaubt haben. Die „I love you“ Nummer war eine Lieblingstrack vom Produzenten.. Ich habe mir die neue Nummer dann laufend angehört, genau so wie ich eine neue Jacke dann dauernd tragen würde.

Mario: Deine Songs handeln von Beziehungen oder schwierigen Beziehungen? Über was kann ein 20-jähriger Mensch noch schreiben?

Jesper Munk: Eigentlich alles, was man erlebt. Es gibt nichts Spezielles daran, einfach nur das aufschreiben, was man erlebt, denkt und träumt. Ich habe auch viele Songs über meine guten oder schlechten Träume geschrieben. Ich will mich da aber nicht festlegen und ich möchte mich da nicht versteifen. Beziehungen waren für mich bis dahin die ergiebigsten Songs. Sie haben in die vorherigen 2 Jahre und auf die Platte gepasst und das wollte ich wiedergegeben.

Mario: Erzählst Du uns was über Dein Equipment, wenn Du auf die Bühne gehst?

Jesper Munk: Ich spiele 2 Gitarren: Eine Les Paul Bonnamassa von einem Freund, der sie mir geliehen hat und eine zusammengewürfelte Strat von wiederum einem anderen sehr guten Freund. Auf der Bühne gehört nur mir, was zwischen Gitarre und Amp ist. Alles Andere gehört nicht mir. Die Strat, die ich über alles liebe, hat 11er Saiten. Ich habe mich da von 10er auf 11er umgewöhnt, weil es fetter klingt, als absehbar war, das es viele Gigs gibt und ich mich entwickeln wollte. Aber jetzt habe ich mir einen Finger gebrochen. Als ich eine Woche in New York war, habe ich mir eine Kay Galaxy P3 gekauft. Das war abgefahren und ich muss sie wieder einstellen lassen, da Saitenhöhe und auch der Hals nicht in Ordnung sind. Als Amp habe ich einen MESA BOOGIE Mark 3, aber der ist nicht von mir. Ich bekomme Instrumente von vielen netten Musikerfreunden von mir oder von meinem Dad. Ich war in der Schulzeit viel beim Lindberg und hab mir die Gitarren angeschaut, während meine Freunde in Mathe in der Schule saßen. Ich wollte immer Geld sparen aber ich habe es nie geschafft, soviel Geld zurückzulegen. Ich habe das Geld immer vorher für etwas anderes rausgehauen.

Mario: Wer sind Deine Bandmitglieder?

Jesper Munk – München

Jesper Munk: Am Schlagzeug ist Clemens Graf Finck von Finckenstein. Am Bass spielt mein Vater Rainer Germann und, seit dem ich mir den Finger gebrochen habe, an der Ersatzgitarre Louis von Stebut von unsere ersten Band, in der ich Bass spielte. Louis ist ein sehr guter Freund und stieg 3 Tage vor der Tour ein und spielt seit eineinhalb Monaten mit und musste sich in 3 Tagen 20 Songs draufschaufeln.

Mario: Kannst Du Dir auch Soloauftritte vorstellen?

Jesper Munk: Ich habe eigentlich damit auf der Straße für das Taschengeld angefangen. Danach habe ich eineinhalb Jahre jeden Mittwoch in Glockenbachwerkstatt zum open stage von „Fish’n’Blues“ gespielt. Das war so das Ritual. Jetzt hake ich bei Anfragen nach, ob sie z.B. das Trio hören wollen oder ob es ruhiger sein soll. Das macht das sehr angenehm.

Mario: Möchtest Du ein Singer/Songwriter sein oder der Solist in einem Trio sein oder denkst Du an eine größere Band mit mehreren Solisten?

Jesper Munk: Ich mag das Trio einfach gern, weil das „sauintim“ auf der Bühne ist.

Mario: Auf Deiner CD findet man viele Stile: Jazz, Garagenblues, lupenreinen Soul und Blues. Entspricht diese Vielfalt, man könnte auch sagen – Zerrissenheit – Deinen Stil und Können oder möchtest Du Dich irgendwann mal an nur einem Stil orientieren?

Jesper Munk: Das wird sich bei mir nicht ändern. Bei mir ist das eine positive Zerrissenheit, weil es mich zu verschiedenen Menschen bringt und ich verschieden Ansprechpartner habe, obwohl die Musik sich im Kern immer wieder triff t. Es ist schön, wenn man auswählen kann und man sich nicht festlegen muss.

Mario: Wo sind Deine Wurzeln bez. Deiner Erziehung und Deiner Interessen? Musikalische Einflüsse? Hast Du Vorbilder und Idole?

Jesper Munk: Ich bin mit meinen beiden Eltern in München aufgewachsen. Ich bin ganz normal in die Schule gegangen, bis ich mit 16 Jahren angefangen habe, Bass zu spielen. Ab dann war alles scheiße und ich hatte so meine Probleme, weil mir meine Musik wichtiger war. Ich habe es aber dann mit der Portion Glück dann trotzdem hingekommen. Es hat mich aber zwei Jahre gekostet. Meine Idole sind Tom Waits und JJ Cale, weil beide eine Eigenheit verbindet. Es komm mir vor, als wenn diese beiden Künstler nie von ihrem Weg abgekommen sind und das will ich mir als Vorbild nehmen. Mal abgesehen davon, dass Beide so einzigartig sind, weil sie für mich einen eigenen Stil haben, den man nicht nachmachen kann.

Mario: Ich habe gelesen, dass Du auch als Straßenmusiker unterwegs warst. Was kann man davon für seine spätere Karriere lernen?

Jesper Munk: Es ist halt total abartig, weil es was völlig anderes ist. Ich habe eigentlich mit den Blues Sessions angefangen und dann kam die Idee mit der Straße. Der Unterschied ist gravierend: Du stehst auf der Bühne und Menschen sind da, um Dir zuzuhören und das Andere ist, dass Du auf der Straße stehst und Du stehst wahrscheinlich sogar jemanden im Weg. Du musst Dir das Ohr erst mal erspielen und lernst dabei, dass Du Dich nicht beirren lässt. Es kommen immer 5, 8 oder 10 Menschen vorbei, die Dich blöd anschauen und von Dir genervt sind. Du lernst halt viele Menschen kennen und das ist echt angenehm.

Mario: Kannst Du bereits heute von Deiner Musik leben?

Jesper Munk lächelt: Ja, jetzt im Moment, ähm und jetzt schauen wir mal. Es läuft gerade wirklich gut und es sind sehr viele Gigs, aber es ist natürlich ein unsicherer Job. Mein Plan B wäre der Beruf des Gitarrenbauers.

Mario: Wie viele CDs hast Du schon verkauft?

Jesper Munk – München

Jesper Munk: Ich habe die genauen Zahlen nicht im Kopf, aber ich bin mit den bisherigen Verkaufszahlen vollkommen zufrieden und ich bin froh, dass ich heute hier spielen darf.

Mario: Was macht einen Jesper Munk Song aus?

Jesper Munk: Ich bin eigentlich nie wirklich mit einem Song zufrieden. Solange der Song ehrlich ist, kann eigentlich kaum was schief gehen. Man kann auch einen infantilen Song schreiben, solange er ehrlich und nicht  gestellt ist.

Mario: Ist der Song „I love you“ auch ehrlich für Dich?

Jesper Munk: „I love you“ wurde von Eddie und Sheila Halman geschrieben und daher nehme ich den Song als ehrlich. Wir haben eine Mail von Eddie bekommen, wo er uns viel Erfolg gewünscht hat.

Mario: Es ist ja sehr ungewöhnlich, dass ein junger Mensch mit einer jazz -und blueslastigen CD für Furore sorgt. Kannst Du Dir den Hype um Deine Person erklären?

Jesper Munk: Nö, ich weiß nicht wie das funktioniert hat. Ich wollte eigentlich nur Musik machen, auf die ich Bock habe. Ich sehe das natürlich, weil wir viel Presse im Münchener Umkreis hatten und auf der Solotour Berlin ausverkauft war. Das ist natürlich schon ein Erfolg, der für eine erste Tour nicht unbedingt klar war. Vorher hatte ich nur auf den open stage sessions und auf der Straße gespielt. Als Bassist war ich noch bei Lila’s Riot mit ca. 150 Leuten im Publikum. Anfang hatten wir 10-12 Konzerte gespielt. Das Größte war mal die lange Nacht der Musik im Gasteig, wo alle 700 Gäste am Schluss der Veranstaltung im Foyer an uns vorbei mussten, als wir zum Spielen angefangen haben.

Mario: Kritiker vergleichen Deine CD „For In My Way It Lies“ mit den Commitments bis hin zu Verweisen auf Jack White oder Jake Bugg. Welche Vergleiche findest Du schmeichelhaft und welche Vergleiche nerven Dich?

Jesper Munk: Mich nerven überhaupt keine Vergleiche. Ich finde es schmeichelhaft, mit Jack White verglichen zu werden, aber es ist halt völlig unrealistisch, weil das eine ganz andere Liga ist.

Mario: Welche Pläne hast Du für 2014?

Jesper Munk: Im Januar und Februar will ich schreiben und noch mal nach LA fliegen. 2014 wird noch viel heftiger wegen der Festivals und ich will spielen, spielen, spielen. Wir hatten 2013 ca. 50 Konzerte. Es sind Anfragen da, aber ich konzentriere mich jetzt auf die Eric Burdon Sache und auf Weihnachten, um mich auszuruhen.

Mario: Wie kam es zu diesem Supporting Act für Eric Burdon? Ist das lukrativ oder nur für die Ehre und für das Renommee?

Jesper Munk: Erst wurde uns ein Gig angeboten. Als wir versucht haben, das reinzukommen, kam dann die ganze Tour. Das ging über die Konzertagentur Neuland von Warner und wir machen jetzt 10 Konzerte. Die Band ist wahnsinnig nett Eric Burdon ist wahnsinnig witzig. Er stellt sich einfach rein und es umgibt ihn eine wahnsinnige Aura. Für den Supporting Act bekommt man keine Kohle. Wir können da ein größeres Publikum angehen. Wir bestreiten die Tourkosten mit Merchandising und ansonsten müssen wir in unsere eigene Tasche langen.

Mario: Machst Du das öfters?

Jesper Munk: Meine erste Tour war solo als Support mit Saint Lu und dann hatten wir noch eine kleine Österreich Tour mit Bosse. Saint Lu macht leicht angebluesten Soul und Bosse ist eine Deutschrockband und jetzt eben mit Eric Burdon.

Mario:  Was muss erfüllt sein, damit Du auftrittst? 50 500 oder 5000 Konzertbesucher?

Jesper Munk: Da musst Du mein Management anrufen, aber für 50 Besucher kann ich nicht mehr spielen. Das habe ich zu oft gemacht. Du musst Musiker mitbringen, Amps und Auto mieten und tanken, Du probst dafür. Weißt Du, mittlerweile ist es so, dass Menschen es so sehen, dass wenn Du nichts bezahlst, es keinen Wert hat. Irgendwo muss man seine Wertigkeit einfach darstellen. Wir versuchen natürlich davon zu leben. Für 6 Stunden Aufwand und 50Euro geht das nicht mehr.

Mario Bollinger – Jesper Munk – München

http://jespermunk.de/

http://ericburdon.ning.com/

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